Warum wir den Verein Initiative Black and White gegründet haben

Anfang der 1990er Jahre kamen Hunderttausende von Flüchtlingen nach Deutschland. Einige Parteien schlugen vor, das Asylrecht so ändern, dass das verhindert wird. Vorwürfe an die Flüchtlinge, dass sie ohne wirkliche Fluchtgründe nur kämen, um auf Kosten der Deutschen zu leben, beherrschten den öffentlichen Diskurs. Auch für wirtschaftliche Probleme, Arbeitslosigkeit und öffentliche Verschuldung wurden Zuwanderer verantwortlich gemacht. Auch dadurch angestachelt gab viele gewaltsame Angriffe auf Flüchtlingsheime und auch Morde an Flüchtlingen und Migranten.

Wir suchten zur Versachlichung der Diskussion beizutragen. Die Initiatoren unseres Vereins sahen Gründe für die Ablehnung der Aufnahme von Flüchtlingen im mangelnden Wissen über die Situation in den Herkunftsländern und in  mangelnden persönlichen Erfahrungen mit Menschen mit anderer Haut- oder Haarfarbe oder anderer Religion. Einen Grund sahen wir auch im Nichtwissen oder Nicht-Mittragen des Grundrechts, dass sich die Deutschen nach ihrem Grundgesetz für Gerechtigkeit, Frieden und Menschenrechte in der Welt einsetzen und damit für die Beseitigung der Fluchtursachen. Unser Verein wurde von Anfang an von Migranten, v.a. aus Afrika, und Einheimischen gemeinsam getragen.  Von den Initiatoren sind bis heute die jetzige Vorsitzende, Christina Eulenkamp, und Wolfgang Lieberknecht im Verein aktiv. 

 

Wir entwickelten ein Programm für Schulen, aber auch Kirchengemeinden um Begegnung, gemeinsame Erlebnisse von Einheimischen und Flüchtlingen zu schaffen. Der Verein bildete eine afrikanisch-deutsche Tourgruppe Black and White, die seither in tausenden von Schulen  Projekttage organisiert hat. Wir setzten dabei auf gemeinsames Musizieren, Singen, Tanzen und Trommeln und auf Informationen und Diskussionen, die es Menschen und vor allem Kindern und Jugendlichen besser ermöglichen, sich in die Lebenssituation von Menschen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge hineinzudenken. Wir gaben dabei auch die Normen von Grundgesetz und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte als mitmenschliche Verpflichtung weiter. Wir machen auch die Spaltung der Welt in den vergangenen 500 Jahren deutlich, organisiert vor allem über den Sklavenhandel und die kolonialen Eroberungen der europäischen Staaten und die Unterwerfung und Ausbeutung großer Teile der Erde. Und wir zeigen den Zusammenhang unseres Lebens mit dem afrikanischen auf: Die Kakaobohnen aus Afrika, aus denen hier die Schokolade gemacht wird, das Coltan aus dem Kongo in den Handys, Kobalt für die Batterien der Elektrofahrzeuge. Rostoffen, die afrikanischen Länder statt Wohlstand häufig

Krieg um ihre Kontrolle führen. Wir machten v.a. auch die Anstrengungen der von Willy Brandt geleiteten Nord-Süd-Kommission bekannt, der ohne Dekolonialisierung und einen neuen Ausgleich der Interessen zwischen Nord- und Süd keine Chance auf ein Überleben der Menschheit prognostizierte und für internationale Zusammenarbeit und entschiedene Abrüstung warb.  Die Flüchtlinge in der Gruppe verdienten durch eigene Arbeit in der Tourgruppe zudem ihren Lebensunterhalt und konnten so ein Aufenthaltsrecht als Künstler bekommen. 

 

Immer wieder wurden wir gefragt, was denn Schulen, Lehrer und Schüler machen könnten, wenn sie zur Veränderung beitragen wollen. Wolfgang Lieberknecht, einer der Initiatoren wollte sich dazu selbst ein Bild Herkunftsländern von Flüchtlingen machen, reiste nach Ghana und besuchte dort Schulen. Dort lernte er die Französisch-Lehrerin, Eunice Oduro Bentum, kennen. Sie war sehr an seinen Ideen interessiert. Nach ihrer Übersiedlung nach Deutschland geht Eunice seit sieben Jahren mit der Musikgruppe Black and White auf Tour, singt und tanzt bei den Auftritten der Gruppe, hält PowerPoint Vorträge über die Lebensbedingungen in ihrem Heimatland Ghana und ihrer Heimatstadt Sunyani und lehrt afrikanische Tanzschritte in den Tanzworkshops bei den Schulprojekttagen. Parallel hat sich v.a. mit

ehemaligen Lehrer-Kollegen in Sunyani für die Zusammenarbeit dem Partnerverein „Initiative Black and White Ghana“ aufgebaut. Mittlerweile entwickelte sich eine fundierte Zusammenarbeit mit verschiedenen Schulen und Initiativen, die wir durch Webinare und Zoom-Konferenzen festigen und vertiefen. Wir lernen voneinander und uns zu verstehen. Wir sehen darin eine richtungsweisende und beispielhafte Entwicklung für die Nord-Süd-Beziehungen.