Wir sind alle AfrikanerInnen, denn von Afrika aus besiedelten die ersten Menschen die ganze Welt! Di

Neue Einblicke in die Evolutionsgeschichte

Quelle: ddp


  1. Kommentare

  2. DruckenEmpfehlen




Homo Sapiens

Bild: Shutterstock

Eine neue Auswertungsmethode wird für den Genvergleich eingesetzt. Sie soll anhand weniger individueller Genome Aufschluss über die evolutionäre Geschichte und die Populationsgrößen früherer Epochen geben.

Der moderne Mensch begann vor rund 60 000 Jahren von Afrika aus die Welt zu besiedeln. Der Kontakt zu afrikanischen Artgenossen blieb jedoch noch mindestens 20 000 Jahre lang erhalten. Das zeigt der erste Vergleich des kompletten Erbguts von vier Männern aus unterschiedlichen Kontinenten. «Im Gegensatz zu früheren Studien sehen wir Belege für einen anhaltenden genetischen Austausch mit afrikanischen Populationen noch für Zehntausende von Jahren nach dem ursprünglichen ‘Out-of-Africa’-Einschnitt», sagt Richard Durbin, Leiter der Forschergruppe am britischen Wellcome Trust Sanger Institute. Er und seine Kollegen setzten für ihren Genvergleich eine neue Auswertungsmethode ein. Diese erlaube schon anhand weniger individueller Genome Aufschluss über die evolutionäre Geschichte und die Populationsgrößen früherer Epochen. «Frühere Methoden haben solche Fragen nur mit Teilen des menschlichen Genoms untersucht. Unser Ansatz nutzt die gesamte Sequenz einzelner Individuen und beruht auf weniger Annahmen. Mit diesem Algorithmus konnten wir nun neue Einblicke in unsere menschliche Geschichte liefern», sagen die Forscher, die die Verfahren und Ergebnisse im Fachmagazin «Nature» vorstellen.

Auszug aus Afrika erzeugte genetischen «Flaschenhals»

Nach gängiger Theorie entstand der Homo sapiens vor mehr als 150 000 Jahren in Afrika. Die aktuellen Auswertungen ergaben, dass bis vor rund 60 000 bis 80 000 Jahren alle modernen Menschen einer genetischen Population angehörten. Dann jedoch durchlebten die Vorfahren der heutigen Europäer und Asiaten einen drastischen Populationseinbruch, ihre Anzahl sank auf nur noch ein Zehntel der ursprünglichen Menge ab.

«Wenn wir uns Individuen aus Europa und Ostasien anschauen, sehen wir eine gemeinsame Geschichte mit einem dramatischen genetischen Flaschenhals vor 60 000 Jahren», sagen die Forscher. Wie auch schon andere Studien belegten, habe zu dieser Zeit der Exodus des Homo sapiens aus Afrika nach Europa und Asien begonnen.

Eine genetische Trennung der ausgewanderten von den in Afrika gebliebenen Populationen sei aber erst rund 20 000 Jahre nach der Migration erfolgt. Eine mögliche Erklärung dafür sehen die Forscher in einem verzögerten Nachzug neuer Auswanderer nach Europa und Afrika.

Von Eltern ererbte Genvarianten liefern entscheidende Information

Für ihre Studie sequenzierten und verglichen die Forscher die kompletten Genome von je einem Mann aus China, Europa, Korea und Westafrika. Besonderes Augenmerk legten sie auf die jeweils von den Elternteilen geerbten Genvarianten. «Jedes menschliche Erbgut enthält Genmaterial von der Mutter und dem Vater. Die Unterschiede zwischen diesen liefern Informationen über die genetische Geschichte. Da die menschliche Genomsequenz so lang ist, können wir die Informationen von Zehntausenden solcher Genorte kombinieren», sagen die Forscher.

Diese Art der Auswertung sei nun zum ersten Mal an kompletten Genomsequenzen erfolgt. Eine Möglichkeit, einen noch detaillierteren Einblick auch in die jüngere Menschheitsgeschichte zu erhalten, könne zukünftig die Sequenzierung jeweils mehrerer Genome aus verschiedenen Populationenbieten sein.

Mehr zum Thema

  1. Woher kommen wir?

  2. Die letzten Neandertaler

  3. Schimpansen: Fast wie wir

  4. http://www.nationalgeographic.de/aktuelles/neue-einblicke-in-die-evolutionsgeschichte

Aus Afrika in die Welt

Artikel vom 01.03.2006  —  Autor: James Shreeve


  1. Kommentare

  2. DruckenEmpfehlen





Erbgut Afrika
Junge Frau Cafe London
Jäger Klaas Kruiper
Aborigine-Jungen

Wir alle lieben gute Geschichten. Diese hier wird die wichtigste sein, die je erzählt worden ist, aber noch kennen wir sie nicht ganz. Wir wissen, dass sie in Afrika mit einer Gruppe von Jägern und Sammlern beginnt, insgesamt nicht mehr als ein paar hundert Menschen. Und dass sie etwa 200 000 Jahre später bei deren sechseinhalb Milliarden Nachkommen endet: der heutigen Bevölkerung unserer Erde. Dazwischen liegen Jahrtausende des Kampfs ums Überleben, der Wanderungen, der Isolation und Eroberung, und das meiste liegt im Dunkel der Geschichte. Wer waren die ersten modernen Menschen in Afrika? Was bewegte eine Gruppe ihrer Nachkommen dazu, ihren Heimatkontinent vor 70 000 bis 50 000 Jahren zu verlassen und sich nach Eurasien auszubreiten? Welche Routen nahmen sie? Verbanden sie sich auf dem Weg dorthin mit älteren Angehörigen der Menschenfamilie? Wann und wie erreichten die ersten Menschen den amerikanischen Doppelkontinent, ihre letzte Station? Kurz gefragt: Woher kommen wir? Und wie sind wir dahin gelangt, wo wir heute sind?

Jahrzehntelang lieferten die wenigen Knochen und Gegenstände, die unsere Vorfahren auf ihren Wegen hinterließen, die einzigen Anhaltspunkte. Erst in den vergangenen 20 Jahren haben Forscher in der DNA lebender Menschen Belege für die Wanderungen ihrer Ahnen in der Urzeit entdeckt. “Jeder Tropfen Menschenblut enthält ein Geschichtsbuch, geschrieben in der Sprache unserer Gene”, sagt der Populationsgenetiker Spencer Wells, der gemeinsam mit NATIONAL GEOGRAPHIC ein weltweites Projekt aus der Taufe hob, um die Geschichte der Menschheit zu erforschen.

Das Erbgut des Menschen ist überall auf der Welt zu 99,9 Prozent identisch. Der Rest der DNA ist die Ursache für individuelle Unterschiede – für die Augenfarbe und bestimmte Erkrankungsrisiken, aber auch für Abweichungen, die keine ersichtlichen Funktionen haben.

Alle evolutionären Jubeljahre einmal kann es in diesen funktionslosen Abschnitten der DNA zu einer zufälligen, harmlosen Mutation kommen, die an alle Nachkommen der jeweiligen Person weitergegeben wird. Erscheint dieselbe Mutation, also dieselbe Variante, Generationen danach in der DNA von zwei Menschen, so ist klar, dass sie einen gemeinsamen Vorfahr haben. Der Vergleich von DNA-Varianten (“Markergenen”) in vielen verschiedenen Bevölkerungsgemeinschaften ermöglicht es Wissenschaftlern, deren Verwandtschaftsverbindungen nachzuverfolgen. Im größten Teil des Erbguts werden diese winzigen Veränderungen durch die Kombination der DNA von Mutter und Vater immer wieder durchmischt. In zwei Bereichen des Erbguts ist das aber nicht der Fall: Die Mitochondrien-DNA (mtDNA) wird intakt von der Mutter auf das Kind vererbt. Ähnlich wird der größte Teil des Y-Chromosoms, das die männliche Geschlechtszugehörigkeit bestimmt, unverändert vom Vater an den Sohn weitergegeben. Ein Vergleich der mtDNA und Y-Chromosomen bei Menschen aus unterschiedlichen Bevölkerungen gibt Genetikern eine Vorstellung davon, wann und wo sich diese Gruppen in den Völkerwanderungen rund um die Erde teilten.

Mitte der achtziger Jahre bestimmte der Genetiker Allan Wilson von der Universität von Kalifornien mit Hilfe der Mitochondrien-DNA, wo die ersten Menschen herkamen. Der Vergleich dieses Teils des Erbguts führte zur Erkenntnis, dass Frauen afrikanischer Herkunft eine doppelt so große Vielfalt von DNA-Varianten haben wie die weibliche Bevölkerung anderswo. Da die verräterischen Mutationen anscheinend in regelmäßigen Abständen auftreten, kann man folgern, dass der Homo sapiensdoppelt so lange in Afrika lebte wie in anderen Teilen der Welt. Inzwischen sind die Forscher der Ansicht, dass alle Menschen mit einer einzigen Frau verwandt sind: mit der “mitochondrialen Eva”. Sie lebte vor etwa 150 000 Jahren in Afrika und war damals gewiss nicht die einzige Frau. Aber wenn die Genetiker Recht haben, dann ist die gesamte Menschheit über eine ununterbrochene Kette von Müttern mit dieser Frau verwandt. Zur mitochondrialen Eva gesellte sich bald der “Y-Chromosom-Adam”, unser aller Urvater.

Auch er stammt aus Afrika. Zunehmend genauere DNA-Untersuchungen haben dieses Anfangskapitel unserer Geschichte wiederholt bestätigt: Alle Menschen der Erde, egal, welcher Hautfarbe, leiten ihre Herkunft von afrikanischen Jägern und Sammlern ab. Ein genauerer Blick auf die DNA-Varianten in Afrika hat Wissenschaftler möglicherweise auf die Spur zu diesen Urahnen geführt. Bestimmte DNA-Markierungen tauchen vor allem bei den San im südlichen Afrika, den zentralafrikanischen Biaka-Pygmäen und einigen ostafrikanischen Volksgruppen auf. Zwei dieser Gruppen und die San sprechen außerdem Sprachen, in denen ein Repertoire einzigartiger Laute vorkommt, auch Klicklaute. Sind diese weit voneinander entfernten Menschen der lebende Beweis dafür, wie sich unsere ersten Vorfahren innerhalb von Afrika ausbreiteten?

Die jeweilige Hautfarbe kann im Alltag ein Hindernis oder eine Chance sein. Welches Potenzial liegt in der Erkenntnis um eine gemeinsame Wiege des Menschen? Verlieren rassenbedingte Konflikte, Diskriminierung und Vorurteile an Nährboden? 

http://www.nationalgeographic.de/reportagen/topthemen/2006/aus-afrika-in-die-welt

0 Ansichten0 Kommentare