Wenn Du täglich Angst haben musst, dass Dein Kind aus der Schule entführt wird! Nigeria-Westafrika

Was hinter den Massenentführungen von Kindern in Nigeria steckt

Banditen überfielen in den letzten Wochen gleich mehrere Schulen. Hunderte Schülerinnen und Schüler wurden als Geiseln genommen

Im Nordwesten Nigerias hält eine Welle von Massenentführungen an. Nachdem im Bundesstaat Niger vor drei Wochen 53 Passagiere eines Busses und eine Woche später 27 Schüler eines Internats gekidnappt worden waren, schlugen "Banditen" am Freitag in Nigers nördlichem Nachbarstaat Zamfara zu. Dort wurden in einem Internat in dem Städtchen Jangebe 317 Schülerinnen als Geiseln genommen.

Bereits im Dezember waren im benachbarten Bundesstaat Katsina 350 Schüler eines Internats entführt worden: Sie kamen – vermutlich nach Zahlung eines Lösegelds – sechs Tage später wieder frei. Auch die 27 Schüler aus dem Kagara-Distrikt im Bundesstaat Niger wurden am Wochenende wieder freigelassen. Die Regierung in Abuja bestreitet auch in diesem Fall, Lösegeld bezahlt habe. Von den 317 Mädchen aus Zamfara fehlt bis heute jede Spur.


Nigerias Präsident Muhammadu Buhari verurteilte die Entführung inzwischen als "inhuman": "Wir werden der Erpressung dieser Banditen nicht entsprechen, die unschuldige Schülerinnen in Erwartung riesiger Lösegelder entführen." Insider wie der nigerianische Sicherheitsberater Kabiru Adamu wollen allerdings wissen, dass die Regierung in Abuja durchaus Lösegelder bezahle, die die "Banditen" zu immer dramatischeren Fällen von Entführungen anspornten.

Lösegeld

In den nordwestlichen Bundesstaaten Zamfara, Katsina, Niger und Sokoto werden allerdings schon seit Jahren immer wieder einzelne Personen entführt, für deren Freigabe dann hohe Lösegeldsummen oder die Freilassung inhaftierter Bandenmitglieder verlangt werden. Womöglich hätten die kriminellen Banden die Massenentführungen von Schulkindern von den islamistischen Extremisten übernommen, meinen Expertinnen und Experten.

Außerdem kommt es in der Großregion schon seit Jahren zu blutigen Zusammenstößen zwischen Haussa sprechenden Ackerbauern und nomadischen Viehhirten, die den Fulani zugehören: Wegen der zunehmenden Trockenheit in der Sahelzone seien diese gezwungen, für einigermaßen fruchtbare Weiden immer weiter nach Süden zu kommen. Diesem Konflikt sollen im vergangenen Jahrzehnt rund 8000 Menschen zum Opfer gefallen sein. Präsident Buhari wird immer heftiger vorgeworfen, den zahlreichen gewaltsamen Konflikten in Nigeria nicht entschieden genug zu begegnen. Im Januar wechselte er deshalb die gesamte Führungsspitze der Sicherheitskräfte aus.

Belohnung für Gewalt

Parlamentarier in Zafara schlugen jüngst vor, den "Banditen" Straffreiheit und Ausbildungsplätze oder Jobs im Austausch für ihre Absage an die Gewalt anzubieten –wie das vor zwölf Jahren einigermaßen erfolgreich mit Rebellen im erdölreichen Nigerdelta praktiziert wurde. Der Vorschlag stößt jedoch auch auf heftige Kritik: Auf diese Weise würden unzufriedene Nigerianer sogar noch dafür belohnt, dass sie Gewalt anwenden, heißt es.

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Video: Nigeria: Leben in extremer Armut (tagesspiegel.de)

Viel Armut im reichen Nigeria-«Die Elite klaut den Ertrag aus unseren Ölreserven»

Auf den neuen Präsidenten wartet eine grosse Herausforderung: Nirgendwo auf der Welt leben so viele Leute in extremer Armut, obwohl das Land Afrikas grösste Wirtschaft ist.

«Die Reichen werden reicher und die Armen werden ärmer! Es gibt Geld in diesem Land, aber es kommt nicht zu uns!», sagt Nurse Regina. Warum das so sei? «Wir wissen es nicht», sagen die Frauen. «Aber was wir wissen, wir Armen, wir leiden. Aber es gibt Geld hier.»

Althergebrachte, korrupte Strukturen

Komme hinzu, dass die Regierung auch keinerlei Instrumente einsetze, um die Ungleichheit im Land zu verkleinern. Zum Beispiel durch Steuern. Im Gegenteil: die Reichen und grossen Firmen würden in Nigeria kaum oder gar keine Steuern bezahlen. Und zu guter Letzt: Nigeria sei eines der korruptesten Länder Welt. «Vom nigerianischen Erdöl profitieren genau ein Prozent der Bevölkerung. Die Elite klaut den Ertrag aus unseren Ölreserven», erklärt Abdu. Viel Armut im reichen Nigeria - «Die Elite klaut den Ertrag aus unseren Ölreserven» - News - SRF

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