Warum ignoriert die "Weltgemeinschaft" Kriegsleid? Lokale können leicht globale Konflikte werden!

Nicht zuletzt der Erste Weltkrieg hat gezeigt, dass als lokalen Konflikten, wie damals zwischen Serbien und Österreich-Ungarn - leicht weltweite Konflikte werden können. Aus diesem Grund sollten die Kräfte, die am Frieden interessiert sind, dazu beitragen, lokale Konflikte zu lösen und nicht zu verschärfen.



Heute aber werden wieder viele Konflikte und gar Kriege der Öffentlichkeit verheimlicht. Ein gefährliches Spiel. Nicht nur für die heutigen Kriegsopfer, sondern die ganze Menschheit.

Schon vor längerer Zeit machte der britische Guardian auf diesen blinden Fleck aufmerksam, bewirkt hat das bisher nichts. Wir erinnern und hoffen, mehr Menschen zu gewinnen, sich einzumischen.

Warum werden in einer Welt voller Kriege so viele von ihnen ignoriert?

Die Instabilität in Zentralafrika hat zu einer humanitären Krise geführt. Konfliktlösung muss stärker in den Mittelpunkt gerückt werden

Cameroon, ein zentralafrikanischer Staat mit 24 Millionen Einwohnern am Golf von Guinea, ist selten in den Nachrichten – was angesichts der schrecklichen Dinge, die dort geschehen, überraschend ist. In einer kriegerischen Welt voller Konflikte werden die Probleme des Landes kaum erwähnt. Das ist kurzsichtig. Wie der Jemen zeigt, haben die lokalen Schwierigkeiten von heute die Angewohnheit, zu den internationalen Krisen von morgen zu werden.

Die seit langem andauernden Spannungen zwischen den französisch-englischsprachigen und englischsprachigen Gemeinden Kameruns haben sich in der vergangenen Woche mit der Verhaftung von mindestens 350 Mitgliedern der wichtigsten Oppositionspartei, deren Anführer seit Januar inhaftiert ist, zuspitzt. Human Rights Watch warf den Sicherheitskräften vor, "übermäßige und wahllose Gewalt"anzuwenden.

Politische Repression mag die geringste Sorge Kameruns sein. Laut einem neuen Bericht des Norwegischen Flüchtlingsratesist Kamerun die weltweit am meisten vernachlässigte Vertreibungskrise. Seit 2016 hat ein Konflikt zwischen Regierungstruppen und nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen 450.000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben.

Dem Bericht zufolge sind "780.000 Kinder nicht zur Schule gegangen. Hunderte von Dörfern wurden niedergebrannt, Zehntausende Menschen verstecken sich ohne humanitäre Unterstützung im Busch, und jeden Tag finden Anschläge statt." Sowohl der Regierung als auch den Separatisten werden "schreckliche Menschenrechtsverletzungen" vorgeworfen.

Obwohl die Besonderheiten unterschiedlich sind, leidet Kamerun nicht isoliert. Seine Instabilität spiegelt die seiner Nachbarn – Nigeria, Tschad und die Zentralafrikanische Republik – und der gesamten Sahelzone wider. Überall in diesem riesigen Gebiet, in dem zahlreiche andere unterbewertete Konflikte zu finden sind, sät die heutige Vernachlässigung der entwickelten Welt eine giftige zukünftige Ernte.

Etwa 2,4 Millionen Menschen im Tschadseebecken sind vertrieben. "Obwohl das nigerianische Militär in Teilen des Nordostens die Kontrolle zurückerlangt hat, sind Zivilisten in Nigeria, Kamerun, Tschad und Niger nach wie vor von schweren Menschenrechtsverletzungen, weit verbreiteter sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt, Zwangsrekrutierung und Selbstmordattentaten betroffen", so das UN-Flüchtlingshilfswerk.

Untersuchungen des Neuen Humanitären Projekts deuten darauf hin, dass sich der Notstand in der Sahelzone rasch verschärft. "Ein Anstieg der Gewalt in den letzten Monaten in Mali, Burkina Faso und Niger hat mehr als 440.000 Vertriebene und 5.000 Tote gefordert, da Militante – einige mit Verbindungen zu al-Qaida und Isis – ihren Einfluss auf die gesamte Region ausdehnen", hieß es im Mai.

Die Auswirkungen dieses Vorstoßes sind verheerend. "Während sie an Boden gewinnen, schüren die Dschihadisten Konflikte zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen ... das gesamte soziale Gefüge der Region in Frage zu stellen. Zyklen interkommunaler Gewalt fordern jetzt mehr Menschenleben und entwurzeln mehr Menschen als direkte dschihadistische Angriffe", sagt New Humanitarian.

Konflikte wurzeln oft im Versagen autoritärer, inkompetenter oder korrupter Regierungen, ihre Bürger zu schützen, wie im Sudan. Kämpfende Gemeinschaften könnten die staatlichen Sicherheitskräfte mehr fürchten als lokale Milizen, wie in Kaschmir.

Doch die Unaufmerksamkeit der reichen Länder, gepaart mit den schädlichen Auswirkungen ihres wirtschaftlichen und kulturellen Verhaltens, sind auch mächtige Faktoren. Interventionismus und die Eskalation lokaler Konflikte durch die Kooptierung von Stellvertretern nehmen zu, wie in Libyen zu beobachten ist, wo rivalisierende Staaten gegnerische Seiten unterstützen.

Die diplomatische Vermittlung und die Friedensbemühungen Dritter gehen zurück, obwohl die Gesamtzahl der Konflikte steigt, so das Osloer Friedensforschungsinstitut.

Der Klimawandel, insbesondere die Dürre, verschärft den Wettbewerb um immer knapperwerdende Ressourcen. Er ist auch ein Faktor für das Wiederaufleben vermeidbarer Krankheiten,wie in der Demokratischen Republik Kongo. "Die Umweltzerstörung beginnt zu hallen und das Wirtschaftswachstum zu beeinflussen", erklärte eine Studie der Brookings Institutionüber Nachhaltigkeit im vergangenen Monat.

Laut dem Armed Conflict Location and Event Data Projecthaben politische Gewalt und Proteste im vergangenen Jahr weltweit zugenommen.

Steigende Spannungen müssen alle sorgfältig beobachtet werden, heißt es in ihrem Bericht vom Juni CrisisWatch.


In a world full of wars, why are so many of them ignored? | Simon Tisdall | World news | The Guardian

Die ignorierten Kriege Afrikas, die gleiche Klage schon 2018

„Es ist ein trauriges Verhaltensmuster. Wieder einmal schafft es die Krise auf dem afrikanischen Kontinent kaum in die Schlagzeilen oder die außenpolitische Tages­ordnung, bevor es zu spät ist“, meinte NRC (Norwegische Flüchtlingsrat) Generalsekretär Jan Egeland.

Zu den diesjährigen Ergebnissen gehört, dass sechs von zehn übersehenen weltweiten Konflikten in Afrika stattfinden. Die Demokratische Republik Kongo (DRC) – wo in den Jahren der inneren Kämpfe mehr als fünf Millionen Menschen vertrieben wurden – führt die Liste an. Hinzukommen Südsudan, die Zentralafrikanische Republik, Burundi und Äthiopien.

Warum aber werden diese Konflikte so ­vernachlässigt? Am meisten sorgen sich die Norweger um den fehlenden politischen und diplomatischen Willen. „Wir, der Westen, sind gut darin, die Dinge zu übersehen, die für uns nicht von geopolitischem Interesse sind“, meinte NRC-Sprecherin Tiril Skarstein. „Die Länder auf der Liste gelten häufig als strategisch wenig bedeutsam. Und daher gibt kein internationales Interesse daran, hier eine Lösung zu finden.“

Skarstein ist der Ansicht, dass bei einigen ­Staaten das Gegenteil der Fall sei. Hier gebe es viele Akteure mit konkurrierenden politischen Interessen, die an den Konflikten teilhätten. Das gelte für Fälle wie Jemen und ­Palästina, wo politische Gewinne Vorrang vor dem Leben von Zivilpersonen hätten.­ Darüber hinaus sei Mangel an politischem Willen, auf Lösungen hinzuarbeiten, eines von drei Kriterien, warum jene Krisen es auf die Liste des Flüchtlingsrates geschafft haben.

Nach Ansicht der skandinavischen NGO stünde das Leid afrikanischer Flüchtlinge ­dauerhaft zu wenig im „Bewusstsein des ­Westens“. Ihre Geschichten würden nicht in dortigen Nachrichten und Medien berichtet. Und wenn doch, dann gewiss nicht im ­gleichen Maße wie andere humanitäre Konflikte auf der Welt. Skarstein führte fort und verglich die Lage in Syrien mit der im Kongo. In beiden Fällen seien es rund 13 Millionen Menschen, die auf humanitäre Hilfe angewiesen seien.

„Viele Menschen wissen das nicht. Wieso? Weil beide ganz unterschiedliche Grade von internationaler Aufmerksamkeit erhalten“, sagte sie. Da viele Syrer vor dem Assad-Regime nach Europa flohen, waren viele Menschen im Westen damit konfrontiert und mussten sich mit ihrem Leid auseinandersetzen. „Wir sahen, wie diese Menschen sprichwörtlich an unserer Türschwelle ankamen. (…) Wenn Menschen andere sehen und ihre Lage kennen, haben sie eine Tendenz, sich um sie zu sorgen und ihnen zu helfen“, merkte Skarstein an. Währenddessen fliehen die Vertriebenen aus Kongo oder anderen afrikanischen Ländern vor Konflikten in umliegende Nachbarstaaten. „Sie kommen nicht an Touristenstränden an. Die Überquerung einer afrikanischen Grenze erzeugt nicht das gleiche Maß an Aufmerksamkeit.“

Dank des Mangels an Willen und medialer Berichterstattung sei es so, dass viele afrikanische Krisen weniger Zugang zu Hilfsmitteln hätten.


Uns kommt es mit unserer Nachrichtenarbeit auf dieser Seite nicht nur darauf an, mehr über das Kriegsleid und seine Ursachen zu erfahren oder bekanntzumachen. Wir wollen dazu beitragen, den Krieg von der Welt zu verbannen und das Kriegsleid zu beenden. Dazu sind viel mehr Menschen erforderlich, die sich dafür engagieren und gemeinsame Kräfte schaffen. Dafür ist auch afrikanisch-europäische Zusammenarbeit erforderlich Wir würden uns freuen, wenn Du mit uns ein überparteiliches zivilgesellschaftliches afrikanisch-europäisches Team aufbaust, das sich nachhaltig und gemeinsam für Frieden in Westafrika engagiert. Hier kannst Du Dich in dem Team registrieren: Wir laden Dich dann zu Online-Konferenzen ein, um das gemeinsame Engagement zu beginnen: Frieden fördern in Afrika Team/Team to Promote Peace in Africa | Black and White (initiative-blackandwhite.org)




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