Saudi-Arabien hat einen Mörder als Staatsspitze. Deutschlands Wirtschaft ist im Land stark vertreten

Wie glaubwürdig ist eine Regierung und eine EU, die wegen eines behaupteten Mordanschlages auf Nawalny Sanktionen gegen Russland beschließt, aber bei einem nachgewiesenen brutalen Mord an einem Journalisten die guten Wirtschaftsbeziehungen mit Saudi-Arabien nicht in Frage stellt?

Guardian: Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman genehmigte 2018 den Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi der Washington Post, laut einer deklassifizierten Einschätzung der von US-Geheimdiensten an den Kongress.

Sie stützte sich auf die Bewertung der "Kontrolle der Entscheidungsfindung im Königreich durch den Prinzen, die direkte Beteiligung eines wichtigen Beraters und Mitglieder des Schutzverfahrens [des Prinzen] in der Operation und [seine] Unterstützung für die Anwendung gewaltsamer Maßnahmen, um Dissidenten im Ausland zum Schweigen zu bringen, einschließlich Khashoggi".

Während Khashoggi von saudischen Beamten versichert worden war, dass er innerhalb der Mauern des Konsulats sicher sein würde, tauchten später grausige Details auf – zusammengefügt durch Aufzeichnungen und andere von türkischen Behörden gesammelte Beweise –, die beschrieben, wie ein Team saudischer Agenten, die in Istanbul in staatseigenen Flugzeugen angekommen waren, um den Journalisten zu töten – gedämpft, getötet und dann keuziert Khashoggi mit einer Knochensäge zerstückelt hatte."

Saudi crown prince approved killing of Jamal Khashoggi, US report says | World news | The Guardian

Deutsche Wirtschaftsbeziehungen zu Saudi-Arabien

Deutsche Welle: "Nach dem gewaltsamen Tod des Journalisten Jamal Khashoggi im saudiarabischen Konsulat in Istanbul wächst der Druck auf deutsche Unternehmen, die mit dem Königreich Geschäfte machen.

- Im Königreich sind etwa 800 deutsche Unternehmen aktiv. Dazu gehören große Konzerne wie Siemens, Bayer und Boehringer Ingelheim, aber auch zahlreiche Mittelständler. Große Geschäftschancen erhoffen sich viele durch die geplante Modernisierung des Landes.

- Saudiarabisches Geld ist in den vergangenen Jahren viel ins Silicon Valley geflossen, mitunter aber auch nach Deutschland. So hat der Spezialchemie-Konzern Lanxess ein Kautschuk-Gemeinschaftsunternehmen mit dem Ölgiganten Saudi Aramco gegründet, aus dem er aber im August wieder ausgestiegen ist.

Deutschland gehört für das Königreich zu den fünf wichtigsten Lieferanten. Im vergangenen Jahr wurden Waren aus deutscher Produktion im Wert von 6,6 Milliarden Euro in das Land transportiert. Auf der Rangliste der wichtigsten deutschen Absatzmärkte bedeutet das Platz 36. Allerdings entspricht die Summe lediglich 0,5 Prozent der gesamten deutschen Warenausfuhren des vergangenen Jahres.

- Saudi-Arabien wiederum lieferte Waren im Wert von 0,8 Milliarden Euro nach Deutschland. Viel wichtiger für das Land sind Japan, China, Südkorea, Indien, die USA und die Vereinigten Arabischen Emirate."

Deutsche Wirtschaftsbeziehungen zu Saudi-Arabien | Wirtschaft | DW | 22.10.2018


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