Sambia schafft den dritten demokratischen Machtwechsel: Die jungen Wähler:innen gaben den Ausschlag

Zum dritten Mal hat Sambia eine Regierung demokratisch aus dem Amt gewählt. Der Geschäftsmann Hakainda Hichilema übernimmt nun die Geschicke des Landes

Afrika ist eher für sich mit allen Mitteln an die Macht klammernde Autokraten als für faire Wahlverlierer bekannt. Damit kann sich Sambia einmal mehr als Champion der Demokratie in Afrika präsentieren. Der 18-Millionen-Staat erlebte in den vergangenen drei Jahrzehnten bereits drei unblutige Machtwechsel: Kaum ein anderes Land des Kontinents kann auf eine derartige Bilanz verweisen. Sambia war der erste Staat im südlichen Afrika, in dem eine nach der Unabhängigkeit an die Macht gekommene Befreiungsbewegung abgewählt wurde. Noch heute ist es das einzige Land in der Region, in dem die Befreiungskämpfer nach einer verlorenen Abstimmung ihre Regierungsämter abgaben. In Angola, Namibia, Simbabwe, Mosambik und Südafrika hält die Herrschaft der allesamt in Verruf geratenen Ex-Befreier an. Viele befürchteten, dass auch der bisherige Chef des südafrikanischen Staats Sambia, Edgar Lungu, zur Kategorie der klebrigen Dauerpräsidenten zählt. Doch der 64-jährige Jurist hat im letzten Moment doch noch seine Niederlage gegen den Herausforderer Hakainda Hichilema eingeräumt, nachdem er zuvor von Wahlbetrug gesprochen und das Militär in die Straßen der Hauptstadt Lusaka beordert hatte. Schließlich lag er mit gut 38 Prozent der Stimmen weit hinter Hichilema (fast 60 Prozent). Womöglich hängt Sambias Sonderstellung vor allem damit zusammen, dass das Land als Erstes im südlichen Afrika 1965 seine Unabhängigkeit erlangte – die anderen waren mindestens zehn (Angola und Mosambik) oder fast dreißig Jahre (Südafrika) später dran. Sechster Anlauf In Angola und Mosambik brachen mit der Unabhängigkeit auch noch jahrzehntelange Bürgerkrieg aus. Eine Rolle spielte allerdings auch, dass Sambia mit Kenneth Kaunda über einen außergewöhnlichen Befreiungsführer verfügte. Der vor wenigen Wochen verstorbene Gründungspräsident räumte nach verlorenen Wahlen 1991 kampflos und unverbittert seinen Stuhl.

Dieses Mal trat Hichilema den Wettkampf im Wissen um Lungus Schwächen an. Dessen Patriotische Front kann sich zwar auf ein stabiles Wählerfundament verlassen: Leute, die von Lungus Regierung in irgendeiner Weise profitierten. Doch die riesige Zahl vor allem jüngerer Sambier, die sich aus Enttäuschung an keinen Wahlen beteiligen, erreichte der Staatspräsident nicht. Sie wurden zur Zielgruppe des Herausforderers, die er mit Auftritten in den sozialen Netzwerken und in Jeans statt im Anzug umwarb. Hichilemas Botschaft: Als einer der erfolgreichsten Geschäftsleute des Landes sei er wie kein anderer geeignet, die havarierte Wirtschaft Sambias wieder seetüchtig zu machen.

https://www.derstandard.at/story/2000128990993/vom-kuhhirten-zum-praesidenten-sambias


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