Projekttag in Teltow: „Und das ist unsere Botschaft: Zusammenhalten, egal welche Hautfarbe man hat,

Trommeln und Fakten Afrika-Projekttag an Teltower Oberschule

von Eva Schmid

Beim Einbiegen in die Teltower Albert-Wiebach-Straße schlagen einem am Mittwochmorgen dumpfe Trommelgeräusche entgegen. Je näher man der Mühlendorf-Oberschule kommt, umso lauter werden sie. Aus einem anderen Zimmer des Gebäudes ertönt ein lauter Sprechchor. „J-A-M-B-O“ – betont werden die Buchstaben nachgesprochen. Dann „Habari Gani“, ein kurzes Klatschen in die Hände und jetzt wieder von vorne, aber schneller, ruft ein junger Mann aus Uganda den Schülern zu.

Rund 30 Schüler singen laut im Chor mit, was zwei Männer aus dem Kongo und Uganda vorsingen. Sie singen auf Swahili und das, was sie singen, ist denkbar einfach. „Jambo“ heißt „Hallo“, „Habari Gani“ bedeutet „Wie geht’s?“. Ein Stockwerk tiefer werden traditionelle Tänze von der Elfenbeinküste einstudiert. In der Turnhalle schlagen im Takt die Hände auf das Fell der Trommeln. Auch hier animiert ein Musiker aus Ghana dazu, seinen Rhythmus nachzutrommeln. „Lauter! Yes .. yes“, ruft er in die Runde.

An der Teltower Oberschule findet am Mittwoch ein Projekttag über Afrika statt. Der Verein „Initiative Black White“ aus Hessen ist zu Besuch. Die Künstler, die für den Verein arbeiten, sind zum Teil ehemalige Asylbewerber, denen eine Abschiebung in ihre Heimatländer drohte. Die Mitarbeiter stammen aus dem Kongo, Ghana, Uganda und der Elfenbeinküste. Nicht nur die Musik, Sprache und Tänze sollen den insgesamt 220 Schüler von der siebten bis zur zehnten Klasse in vier Workshops bei dem Projekttag nähergebracht werden. Es geht auch um harte Fakten. Vor jedem Workshop erzählen die vier Künstler, wieso sie aus ihren Ländern flüchten mussten. In einem Workshop wird die Geschichte des Kontinents von der Kolonialisierung bis heute erklärt. Als die Schüler hören, dass heute dort der Durchschnittslohn zum Teil bei zwei Euro liegt, horchen sie auf und staunen. Immer wieder betont der Vereinschef Wolfgang Lieberknecht, dass Afrika zentral sei: „Wir stammen von den Afrikanern ab.“

Der Projekttag ist nur eine von vielen Veranstaltungen in der Teltower Oberschule, bei denen es um Integration, Asylpolitik, Rassismus und Rechtsextremismus gehe. Am heutigen Donnerstag kommt der Musiker Tibor Sturm im Rahmen der Anti-Rassismus-Kampagne „Gesicht zeigen!“ in die Schule. „Wir bewerben uns für den Titel ’Schule ohne Rassismus’“, erklärt Schulleiter Christof Kürschner. Er wolle aber keinen Titel, der nur an der Wand hänge, „sondern das soll an der Schule gelebt werden“. Vorurteile gegen Ausländer und Asylbewerber will er bekämpfen. „Wir wollen den Schülern erklären, wieso Flüchtlinge unsere Hilfe brauchen und dass sie nicht unsere Arbeitsplätze wegnehmen.“ Nicht zuletzt gebe es in der Oberschule auch viele Schüler mit Migrationshintergrund. Dass es nur zusammen geht, wissen die Schüler am Ende des Vormittags auch. „Und das ist unsere Botschaft: Zusammenhalten, egal welche Hautfarbe man hat, denn wir sind eine Familie“, so Lieberknecht. Lauten Applaus gibt es auch für die afrikanischen Künstler. Mit einem Lachen rufen sie „Hakuna Matata!“ in die Runde – kein Problem. Eva Schmid

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