Mutationen: Global handeln wird zur Überlebensfrage: Krieg, Rüstungsausgaben bedrohen uns jetzt alle

Viren können in Ländern überall auf der Welt übertragen werden und mutieren, ihr Gefahrenpotential steigern und damit zur Bedrohung weltweit für alle Menschen werden. Spürbar wird nun, dass wir eine globale Schicksalsgemeinschaft sind. Wenn das Virus nicht überall mit allen verfügbaren Mitteln bekämpft wird, ist das nicht nur für die Menschen in dem jeweiligen Land schlecht, sondern für uns alle und auch für die Menschen aller sozialen Klassen

Werden wir jetzt national-egoistisches oder klassen-egoistisches Denken überwinden können? Werden wir über den Kirchturm hinausblicken können? Werden wir unser Denken und Handeln den neuen Herausforderungen anpassen können. Angesichts der akuten Bedrohung und der aus ihr erwachsenden akut wirtschaftlichen Folgen für alle, gibt es zumindest die Chance: Wir brauchen ein globales Gesundheitssystem, das allen sichere Gesundheitsversorgung garantiert. Wir brauchen ein System globaler sozialer Sicherheit, das es den Menschen überall möglich macht, die notwendigen Schutz-Maßnahmen auch einhalten zu können.

Schon 1948 hatten die Staaten in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (1) jedem Menschen weltweit das Menschenrecht auf Gesundheitsversorgung und soziale Sicherheit zugesprochen. Sie beschlossen, dafür weltweit zusammenzuarbeiten. Die Staaten bekräftigten das 1966 und verpflichteten sich nun auch völkerrechtsverbindlich im UN-Sozialpakt dazu, gemeinsam für alle Menschen weltweit Gesundheitsversorgung und soziale Sicherheit zu schaffen, einschließlich einer Sozialversicherung (2).



Über 50 Jahre später sind wir weit davon entfernt. Menschen in vielen Staaten, aber auch viele Menschen in den reichsten Staaten, wie den USA, haben nach wie vor weder Gesundheitsversorgung noch soziale Sicherheit oder eine Sozialversicherung. Die Statistik über die weltweite Gesundheitsversorgung etwa weist aus, dass in Burundi, Gambia oder Äthiopien 20.000 Menschen nur einen Arzt haben, in der Schweiz kommen 250 Menschen auf einen Arzt, in Kuba 160 Menschen (3).

Die Staaten haben das soziale Gefälle zwischen den Staaten der Welt trotz der Verpflichtung aus dem Sozialpakt nicht oder kaum verändert und auch nicht in den Staaten zwischen Arm und Reich.

Vielleicht kann Corona jetzt den Schub bringen, weil die Unterversorgung der Einen zur Bedrohung für alle wird.

Aber wer soll das bezahlen? Jährlich geben die Staaten zwei Billionen Dollar für Rüstung gegeneinander aus. Weitere Steigerungen sind geplant. Nur ein Teil dieser gigantischen Summen würde reichen, ein weltweites Gesundheitssystem aufzubauen. In den vielen aktuellen Kriegen werden täglich Krankenhäuser zerstört, auch Ärzte und Krankenschwestern getötet und Menschen verwundet. Die besten Wissenschaftler der Welt arbeiten für die Entwicklung von Kriegswaffen, nicht für das Gesundheitssystem. In der Waffenindustrie wird am besten verdient.

UN-Generalsekretär Guterres hatte - bisher weitgehend ungehört - schon vor einem Jahr gemahnt: "Die Wut des Virus veranschaulicht den Irrsinn des Krieges. Deshalb rufe ich heute zu einem sofortigen globalen Waffenstillstand in allen Teilen der Welt auf. Es ist an der Zeit, bewaffnete Konflikte zu beenden und sich gemeinsam auf den wahren Kampf unseres Lebens zu konzentrieren. Den Kriegsparteien sage ich: Ziehen Sie sich aus den Feindseligkeiten zurück. Legen Sie Misstrauen und Feindseligkeit beiseite.

Bringen Sie die Geschütze zum Schweigen; stoppen Sie die Artillerie; beenden Sie die Luftangriffe. Wir müssen die Krankheit des Krieges beenden und die Krankheit bekämpfen, die unsere Welt verwüstet."(4)

Die Menschheit muss jetzt wirklich im Interesse aller umdenken, auch weil Wissenschaftler uns eine permanente Bedrohung durch Pandemien wie der Corona-Pandemie voraussagen. Und auch die Chance, die vermutete Ursache für diese Pandemien zu beseitigen, erfordert globale Zusammenarbeit: Die immer weitergehenden Eingriffe in die Natur nehmen immer mehr Tieren ihren Lebensraum, Tieren, mit denen der Mensch bisher keine Begegnung hatte. Sie übertragen Viren, gegen die wir keinen Schutz haben. Naturzerstörung erhöht das Risiko für den Ausbruch weiterer Pandemien - dies ist das Ergebnis neuer UN-Studien. (5)

Jetzt, wo die globale Gesundheitskrise weltweit alle Menschen betrifft, können wir alle die bisherigen Unzulänglichkeiten unserer menschlichen Entwicklung besser begreifen und unsere Bereitschaft erhöhen, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen: Die Einhaltung des Völkerrechts, soziale Sicherheit und Gesundheitsversorgung allen zu sichern, Krieg und Gewalt weltweit zu verbannen und die Rüstungsausgaben zu verringern, wird jetzt zur nationalen und sozialen Notwendigkeit.

Wolfgang Lieberknecht

1 Allgemeine Erklärung der Menschenrechte | Vereinte Nationen - Regionales Informationszentrum für Westeuropa (unric.org) Art. 22 und 25

2 UN_Sozialpakt.pdf (fian.de) Artikel 9 und 12

3 Medizinische Versorgung im weltweiten Länderüberblick (laenderdaten.de)

4 Guterres: Aufruf zu einem Globalen Waffenstillstand | Vereinte Nationen - Regionales Informationszentrum für Westeuropa (unric.org)

5 UN-Studie zu Naturzerstörung: Schulze will "Krise hinter der Krise" stoppen | tagesschau.de

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