Militärputsch in gewaltzerrissenen westafrikanischen Burkina-Faso

Aufstand einer frustrierten Armee in Burkina Faso In Burkina Faso hat sich das Militär an die Macht geputscht. Eine offizielle Bestätigung durch die Armeeführung folgte erst Stunden später Johannes Dieterich Die Welle der Militärcoups in Westafrika ebbt nicht ab. Nach Mali, Guinea und dem Tschad scheint nun auch das Militär in Burkina Faso die Macht an sich gerissen zu haben. Örtliche Medien und westliche Diplomaten berichteten am Montag, der Präsident des westafrikanischen Staats, Roch Marc Christian Kaboré, sei in der Nacht zum Sonntag von Soldaten gefangen genommen worden. Er werde in der am Rand der Hauptstadt Ouagadougou gelegenen Kaserne Sangoule Lamizana festgehalten. Was genau hinter dem Umsturz steht, blieb viele Stunden im Dunkeln. Lange hatte sich kein Offizier öffentlich zu dem Coup bekannt. Erst am Montagabend teilte das Militär mit, dass der Präsident entmachtet, die Verfassung ausgesetzt und die Grenzen geschlossen wurden. Unterschrieben wurde die Erklärung von Paul-Henri Sandaogo Damiba, verlesen von einem anderen Militär über das Fernsehen. Die ganze Nacht über war es um die Residenz des Präsidenten im Stadtteil Patte-d’oie zu heftigen Kämpfen gekommen, bei denen nach Angaben von Augenzeugen auch ein Helikopter eingesetzt wurde. Am Montagmorgen waren vor der Präsidentenvilla zahlreiche beschädigte Fahrzeuge zu sehen. Außer dem Präsidenten sollen auch der Sprecher des Parlaments sowie mehrere Minister inhaftiert worden sein. Die Personen befänden sich laut Militär an einem sicheren Ort. Die jüngsten Unruhen hatten am frühen Sonntagmorgen in mehreren Kasernen des Landes begonnen. Dort soll es zu Schusswechseln gekommen sein, aus denen die meuternden Soldaten offenbar als Sieger hervorgingen. Vor der Sangoule-Lamizana-Kaserne verlas ein Offizier später am Tag einen Forderungskatalog, der vor allem eine bessere Unterstützung der Soldaten in ihrem Kampf gegen islamistische Extremisten beinhaltete. Verlangt wurden etwa stärkere Waffen, eine bessere Pflege verwundeter Kameraden sowie eine höhere Abfindung für Familien, deren Söhne im Kampf gestorben sind. Außerdem forderten die Soldaten die Absetzung führender Generäle, denen Ineffizienz vorgeworfen wird. Die Umtriebe der Extremisten haben in den vergangenen sechs Jahren verheerende Ausmaße angenommen: Mehr als 2.000 Menschen wurden getötet, mindestens 1,4 Millionen aus ihrer Heimat vertrieben. Immer mehr Teile des Landes werden nach den Worten Laessings nicht mehr von der Regierung kontrolliert: "Mittlerweile kann sie nur noch im Zentrum des Landes um die Hauptstadt Ouagadougou für Sicherheit sorgen." Das Militär sei für den Kampf gegen Extremisten unzureichend ausgestattet, sagt der ehemalige CIA-Analyst Michael Shurkin: Ihre Frustration über die Regierung sei verständlich. "Leider wird das durch den Putsch jedoch nicht besser werden." (Johannes Dieterich, 24.1.2022)

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