IRK: Klimawandel ist brutal. Für die weltweit Schwächsten. Er befeuert Konflikte um Ressourcen

IKRK-Bericht: Klimawandel und Konflikt - eine brutale Kombination mit schlimmen Konsequenzen für die weltweit Schwächstes

Von den 20 Ländern, die für den Klimawandel am anfälligsten sind, ist die Mehrheit in Konflikte verwickelt. Samuel TURPIN / Humans & Climate Change Stories Genf (IKRK) – Länder, in denen ein Konflikt ausgetragen wird, leiden ganz besonders unter dem Klimawandel. Diese doppelte Katastrophe vertreibt Menschen aus ihrer Heimat, unterbricht die Nahrungsmittelerzeugung und –versorgung, begünstigt die Verbreitung von Krankheiten und schwächt das Gesundheitswesen. Dies erklärt das Internationale Komitee vom Roten Kreuz. Der Bericht – When Rain Turns to Dust – stützt sich auf Untersuchungen im Süden des Irak, im Norden Malis und im Landesinneren der Zentralafrikanischen Republik (ZAR). Seine Themen sind die Erfahrungen der Menschen mit Konflikt und Klimarisiken, ihre Bewältigungs- und Anpassungsstrategien sowie die Tatsache, dass sie gezwungen sind, mangels geeigneter Unterstützung ihre Lebensweise radikal zu ändern, andere Einkommensquellen zu suchen oder ihre Heimat zu verlassen.


Von den 20 Ländern, die als besonders anfällig für den Klimawandel gelten, sind die meisten in einen Konflikt verwickelt [1]. Bis 2050 könnten jährlich 200 Millionen Menschen internationale humanitäre Hilfe benötigen - also doppelt so viele wie heute. „Der Klimawandel ist brutal. Er ist überall spürbar, aber seine schlimmsten Auswirkungen werden weltweit die Schwächsten zu ertragen haben. Tag für Tag sehen wir, wie sich Klimaschocks und Umweltzerstörung auf die Bevölkerung in Konfliktgebieten auswirken. Ihre Fähigkeit zur Anpassung wird durch die herrschende Gewalt und Instabilität drastisch eingeschränkt. Diese Schocks kosten Menschenleben", sagte Catherine-Lune Grayson, IKRK-Expertin für Klimawandel. Einige Beispiele für die Erfahrungen der Menschen in der ZAR, im Irak und in Mali:

  • In Mali und im Irak sagten die Leute, Umwelt- und Klimafaktoren erschwerten ihr Leben, weil sie bei den Bemühungen, die Familie zu ernähren, ihren Zugang zu Wasser und Nahrung einschränken, ihre wirtschaftliche Sicherheit bedrohen und ihre Würde verletzen.

  • In der Zentralafrikanischen Republik sprachen die Leute über Spannungen zwischen Bauern und Hirten, die auf veränderte Wanderungsmuster und die Unfähigkeit der Behörden zur Vermittlung zurückzuführen sind. Sie baten um Hilfe bei der Beilegung der Spannungen und um Unterstützung bei der Revision der Ackerbaukalender, da sie das Wetter nicht mehr voraussagen können und die herkömmlichen Aussaatkalender nicht mehr zuverlässig sind.

  • Im Norden Malis beschrieben Hirten und Ackerbauern, wie ihr Umgang mit wiederholten Dürreperioden und gelegentlichen starken Niederschlägen durch den Konflikt gestört ist und wie dies Veränderungen ihrer Lebensweise beschleunigt und manche sogar zwingt, in den Süden oder in die Städte zu ziehen.

  • Im Norden Malis und der ZAR haben Menschen, die durch Überschwemmungen kürzlich Häuser, Auskommen und Ernte verloren, um Hilfe bei einem Neuanfang und bei den Bemühungen gebeten, dafür zu sorgen, dass die nächsten Überschwemmungen sie nicht wieder obdachlos machen.

  • Im Irak gab es zwischen 1950 und 1990 weniger als 25 Sandstürme pro Jahr, allein 2013 waren es rund 300. Ein irakischer IKRK-Mitarbeiter meinte: „Früher fiel Regen. Heute fällt Staub."

„Der ungebremste Klimawandel wird dazu führen, dass die Anzahl der Menschen in Not exponentiell ansteigt – wobei die humanitären Organisationen schon heute den humanitären Bedürfnissen nicht mehr gewachsen sind. Die Klimakrise kann zu Rückschlägen in der Entwicklung und dem Zusammenbruch von Systemen führen, und zwar besonders in instabilen und von Konflikten betroffenen Staaten, die derzeit bei Klimaschutzmassnahmen am wenigsten berücksichtigt werden", so Catherine-Lune Grayson. Das IKRK ruft Organisationen innerhalb und ausserhalb des humanitären Sektors auf, sich dafür einzusetzen, dass Klimaschutzmassnahmen und finanzielle Mittel für Konfliktgebiete bereitgestellt werden, und dass die am schwersten in Mitleidenschaft gezogenen Bevölkerungsgruppen die Unterstützung erhalten, die sie für eine Anpassung an den Klimawandel benötigen. [1] Der ND-Gain Index zeigt die Anfälligkeit eines Landes für den Klimawandel und andere globale Probleme, gemessen an seiner Fähigkeit, seine Belastbarkeit zu erhöhen

IKRK-Bericht: Klimawandel und Konflikt - eine brutale Kombination mit schlimmen Konsequenzen für die weltweit Schwächsten | Internationales Komitee vom Roten Kreuz (icrc.org)


Für Westafrika prognostiziert der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC) bis zum Jahr 2100 einen durchschnittlichen Temperaturanstieg von 3,3°C, in der nördlichen Hälfte Malis könnte der Temperaturanstieg bis auf 4,7°C ansteigen. Samuel TURPIN / Humans & Climate Change Stories

"WHEN RAIN TURNS TO DUST" - IKRK REPORT ZUM THEMA KLIMAWANDEL UND KONFLIKT

Der doppelte Druck von Klimawandel und Konflikt vertreibt Menschen aus ihrer Heimat, unterbricht die Nahrungsmittelerzeugung und –versorgung, begünstigt Krankheiten und Mangelernährung und schwächt Gesundheitsdienste. Von den 20 Ländern, die der ND-Gain Index als stark gefährdet und wenig anpassungsfähig einstuft, befinden sich 12 in einem Konflikt.


Menschen in Konfliktsituationen berichten uns häufig von tiefgreifenden Umweltveränderungen, deren Zeugen sie sind. Ihr Alltag wird nicht nur durch Gewalt erschwert, sondern auch durch Klima- und Umweltveränderungen.

In Ländern wie Somalia, die Jahrzehnte von Konflikt und Instabilität geschwächt haben, sind die Menschen immer wieder zur Abwanderung gezwungen – durch Dürren wie durch Überschwemmungen. In der Sahelzone ist das Überleben armer und entlegener Gemeinschaften aufgrund des unberechenbaren Klimas und der Umweltzerstörung jedes Jahr schwieriger. Ihre Bewältigungsstrategien werden durch die Gewalt und Instabilität immer weiter unterminiert.

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