Frankreichs ehemalige Kolonie Mali weist den französischen Botschafter aus: 72 Stunden bleiben ihm

Die malische Regierung begründete den Schritt damit, dass Frankreichs Aussenminister «feindselige und empörende» Äusserungen über die malische Übergangsregierung gemacht habe. Die Zukunft des französischen Militäreinsatzes im Sahel ist ungewisser denn je.

Malis Militärjunta hat am Montag dem französischen Botschafter eine Frist von 72 Stunden gesetzt, um das Land zu verlassen.


Der französische Aussenminister Jean-Yves Le Drian hatte am Freitag gesagt, Malis Übergangsregierung sei «ausser Kontrolle». Er bezeichnete sie auch als «illegitim». Hintergrund der Aussagen waren die Spannungen zwischen Mali und Frankreich, die sich in den letzten Monaten immer weiter verschärft hatten. Indem sie den französischen Botschafter ausweist, lässt die Junta die Situation nun endgültig eskalieren.


In einer ersten Reaktion aus Paris hiess es, man nehme die Ausweisung zur Kenntnis.

Damit ist die Zukunft des französischen Militäreinsatzes in Mali und im Sahel ungewisser denn je. Soldaten der ehemaligen Kolonialmacht bekämpfen seit 2013 jihadistische Gruppierungen in Mali. Der französische Einsatz ist trotz der Tötung mehrerer prominenter Jihadisten weitgehend erfolglos geblieben – die Jihadisten haben ihr Einflussgebiet in den letzten Jahren stark ausgeweitet. Frankreich ist in den letzten Monaten aus mehreren Militärbasen abgezogen und will seine Truppen von knapp über 5000 um rund die Hälfte reduzieren.


Mali fühlt sich bevormundet – und im Stich gelassen

Der schwierige Kampf gegen die Jihadisten – in dessen Verlauf Hunderte von Zivilisten getötet und Hunderttausende vertrieben wurden – hat den schwachen malischen Staat zusätzlich destabilisiert. Die malische Regierung warf den Europäern zuletzt auch vor, sich bevormundend zu verhalten und das Land im Stich zu lassen. Sie drohte damit, die abziehenden französischen Truppen durch russische Söldner zu ersetzen.


Tatsächlich sind seit Dezember mehrere hundert Söldner der privaten Militärfirma Gruppe Wagner in Mali im Einsatz – unter anderem in Timbuktu, wo zuvor die Franzosen abgezogen waren. Malis Junta bestreitet, dass es sich um Wagner-Söldner handelt. Diese werden unter anderem in der Republik Zentralafrika, wo sie stark präsent sind, für schwere Menschenrechtsverbrechen verantwortlich gemacht.


Dänen ziehen ab

Vergangene Woche hat Dänemark ein Truppenkontingent aus Mali abgezogen, nachdem die Junta behauptet hatte, es gebe keine rechtliche Grundlage für die dänische Präsenz. Die dänischen Soldaten hätten die europäische Mission Takuba verstärken sollen. Diese soll nach dem französischen Teilabzug eine stärkere Rolle einnehmen.

Die französische Verteidigungsministerin Florence Parly sagte am Samstag nach dem dänischen Abzug, auch Frankreichs Truppen würden Mali verlassen, wenn der Preis zu hoch würde.

Mali weist den französischen Botschafter aus (nzz.ch)






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