Die Temperatur steigt immer weiter und vertreibt die Kleinbauern aus dem einstigen "Brotkorb" Ghanas

In vielen Ländern Afrikas sind die Auswirkungen des Klimawandels schon spürbar. Auch in Ghana, einem Land, dem es vergleichsweise gut geht. Hier macht der Klimawandel vor allem armen Kleinbauern zu schaffen.

Die Zwillingsschwestern Farida und Fariya Abubakari hören ihnen zu. Sie beschäftigen sich schon lange mit der prekären Lage der Menschen, die vom armen Norden Ghanas hierher in den Süden kommen. Klimaflüchtlinge seien sie, sagen die 24jährigen Studentinnen.


Immer weniger Familien können sich von der Landwirtschaft ernähren

Fariya Abubakari: „Wir kommen selbst aus dem Norden, das ist der ärmste Teil des Landes und er ist am meisten vom Klimawandel betroffen. Das hat ernste Auswirkungen für die Bauern, ihre Ernte, ihr Leben.“ Fariya und Farida Abubakari stammen aus Bawku, einer Grenzstadt zu Burkina Faso. Ihr Vater war Kleinbauer, jetzt reist er als Händler durchs Land. Der Norden gilt als „Vorratskammer des Landes“. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft. Es sind vor allem Kleinbauern, die zum Eigenbedarf aber auch für den Verkauf Mais, Hirse, Maniok, Reis, Erdnüsse oder Gemüse anbauen. In den letzten Jahren aber nehmen die extremen Wetterlagen zu, sagt Seth Agyemang, der an der Universität in Kumasi die Folgen der Erderwärmung erforscht. „Im Laufe der Jahre hat sich das Wetter verändert. Es ist unberechenbarer geworden. In manchen Gebieten regnet es stärker als früher, in anderen fast gar nicht mehr. Und die Temperatur steigt immer weiter.“ Die Folge: Die Farmer müssen mehr Geld investieren und fahren trotzdem kleinere Ernten ein. Immer weniger Familien können sich von der Landwirtschaft ernähren. „Wir beobachten das Phänomen, dass inzwischen viele vor den Folgen des Klimawandels fliehen.“

Die Schwestern Fariya und Farida Abubakari wollen den Menschen helfen, die darunter leiden. Sie machen gerade ihren Master an der Universität in Kumasi. Nebenbei schreiben sie Artikel für Onlineportale und vor allem: sie bauen zwei Hilfsorganisationen auf. Eine soll Anlaufstelle für gefährdete Mädchen und Frauen sein, die andere soll Landwirte aufklären, die vom Klimawandel betroffen sind. Wegen ihres Engagement hat das Netzwerk „The Global Call for Climate Action“ Farida zur Klimakonferenz nach Paris eingeladen, als Beobachterin. Wenn es um die Folgen der Erderwärmung geht, sieht sie die Industrieländer in der Verantwortung: Farida Abubakari: „Afrika hat am wenigsten zur Erderwärmung beigetragen, aber wir sind es, die schon jetzt die Folgen spüren. Deshalb sollten die Industrieländer endlich ihre Emissionen reduzieren. Für eine stabile Welt, in der wir leben können.“ Von den Verhandlungen erwarten sich die Schwestern, dass Länder wie Ghana Geld bekommen, um den Bauern im Norden des Landes zu helfen.

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