Die grausamen Taten der "Grand Nation" in "ihrer Kolonie" Algerien werden endlich ans Licht gebracht

Ihr Großvater sei an jenem 23. März 1957 nicht selbst aus einem Fenster im sechsten Stockwerk eines Gebäudes der algerischen Hauptstadt Alger gesprungen, um sich das Leben zu nehmen; vielmehr sei er von seinen französischen Wächtern hinausgeworfen worden.

Der französische Präsident hat schon mehrfach klargemacht, dass er die Ambivalenz vieler französischer Politiker und Historiker in der Kolonialfrage nicht teilt. 2017, also lange vor "Black Lives Matter" oder ähnlichen Bewegungen, bezeichnete er den Kolonialismus als "Akt der Barbarei", dann sogar als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Ein Jahr später bezichtigte er die französische Armee des Mordes an Maurice Audin, einem französischen Mathematiker und Kommunisten, der für die Unabhängigkeit Algeriens eingetreten war.

Geständnis gegenüber den Enkeln

Jetzt geht Macron einen – symbolisch sehr wichtigen – Schritt weiter. Am Dienstag empfing er vier Enkel des algerischen Anwaltes Ali Boumendjel im Élysée-Palast, um eine nationale Staatslüge zu korrigieren: Nein, ihr Großvater sei an jenem 23. März 1957 nicht selbst aus einem Fenster im sechsten Stockwerk eines Gebäudes der algerischen Hauptstadt Alger gesprungen, um sich das Leben zu nehmen; vielmehr sei er von seinen französischen Wächtern hinausgeworfen worden.

Boumendjels Kinder haben den Leichnam nie zu sehen bekommen. Er sei nach sechs Wochen Folter schrecklich entstellt gewesen und habe nur noch 30 Kilo gewogen, berichteten Augenzeugen.

Dabei war Boumendjel kein "Terrorist", wie die Franzosen die Kämpfer des nationalen algerischen Freiheitsfront FLN nannten. Der Anwalt betätigte sich vielmehr als Friedensaktivist. Er wurde wie so viele andere Algerier verhaftet und gefoltert, weil die Franzosen die Namen von FLN-Attentätern erfahren wollten.

Warum Frankreich nach 60 Jahren nun eine Staatslüge eingesteht - Frankreich - derStandard.at › International

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