Die Deutsche Regierung schickt Kriegsschiff nach Asien, in Gewässer, die China für sich beansprucht!

Deutschland will in der Region unter anderem offene Seewege, offene Märkte und den Freihandel erhalten.

Auszüge aus NZZ: Mit Kurs auf China: Warum europäische Länder wie Deutschland im fernen Asien mit ihren Kriegsschiffen aufkreuzen

Der indopazifische Raum ist weit weg von Europa. Dennoch haben Frankreich, die Niederlande und Deutschland eine Strategie für die Region definiert. Und sie entsenden Kriegsschiffe. Das birgt Risiken.

China habe an globaler Schlagkraft gewonnen, sagte Angela Merkel vergangenen Monat an der virtuellen Ausgabe der Münchner Sicherheitskonferenz. Dem müssten «wir als transatlantisches Bündnis und als Demokratien der Welt etwas an Taten entgegensetzen». Damit wurde die deutsche Kanzlerin für ihre Verhältnisse aussergewöhnlich deutlich.

Berlin, so das unüberhörbare Signal an die neue amerikanische Administration unter Joe Biden, habe die Zeichen der Zeit nicht nur erkannt, es sei auch bereit, Taten folgen zu lassen, so Merkel.

Dass Deutschland in Sachen China neue Töne anschlägt, zeigte die deutsche Regierung im Herbst vergangenen Jahres mit ihren «Leitlinien zum Indopazifik». In dem siebzig Seiten starken Papier erweitert Berlin seinen üblicherweise stark auf China fokussierten Blick auf Indien und den gesamten Raum des Indischen und des Pazifischen Ozeans. Denn, so die Begründung, «hier konkurrieren strategische Projektionen und verflechten sich globale Wertschöpfungsketten».

Deutschland will in der Region unter anderem offene Seewege, offene Märkte und den Freihandel erhalten.

Deutschland ist bereits das dritte europäische Land, das sich eine Strategie zum Indopazifik gibt. Vorreiter war 2018 Frankreich. Das ist wenig erstaunlich, kontrolliert Paris doch als Überbleibsel seiner kolonialen Vergangenheit im Pazifischen wie im Indischen Ozean Territorien. Frankreich versteht sich somit nicht bloss als europäische, sondern auch als pazifische Nation. Dementsprechend ist die französische Strategie stärker von sicherheitspolitischen Überlegungen geprägt als die deutsche.

Neben Deutschland und Frankreich haben auch die Niederlande eine Strategie für den Indopazifik veröffentlicht. Die Handelsnation ist seit Jahrhunderten in der Region präsent und kontrollierte bis zur Anerkennung der Unabhängigkeit Indonesiens 1949 über das riesige Archipel Niederländisch-Indien. Im Unterschied zu Paris hält Amsterdam aber keine Territorien mehr im indopazifischen Raum. Die Niederlande fordern deutlich eine gesamteuropäische Strategie für die Region.

Die deutlichsten Zeichen setzten die USA mit ihren regelmässigen «Freedom of Navigation Operations» (Fonop), wo sie ihre Marine in Gebieten kreuzen lässt, die China für sich beansprucht. Auch Japan, Australien, Kanada und Grossbritannien haben schon solche Manöver durchgeführt.

Und nun auch die Europäer: Das französische Atom-U-Boot «Emeraude» ist seit September im Indopazifik unterwegs. Die Niederlande werden im Frühjahr die erste Mission des neuen britischen Flugzeugträgers «HMS Queen Elisabeth» in die gleiche Region begleiten. Geplant sind auch Manöver mit der amerikanischen und der japanischen Marine.

Auch Deutschland will seine Interessen im fernen Asien jetzt mit einer militärischen Mission unterstreichen, wie Merkel Mitte Februar angedeutet hat: Nach 19 Jahren ohne Seepräsenz in der Region soll eine Fregatte der Marine spätestens im Sommer in Richtung Fernost auslaufen und auch im Südchinesischen Meer kreuzen.

Risikolos ist eine Entsendung von Kriegsschiffen in Gewässer, die China für sich beansprucht, also nicht. China hat wiederholt gezeigt, dass es bereit ist, seine Interessen handfest durchzusetzen. So näherte sich 2018 ein chinesischer Zerstörer aggressiv dem amerikanischen Kriegsschiff «USS Decatur» an, das einen Zusammenstoss nur mit einem Ausweichmanöver verhindern konnte.


Kurs auf China: Europäische Kriegsschiffe kreuzen im Pazifik (nzz.ch)

22 Ansichten0 Kommentare