Somalia: Der schwierige Weg zum Aufbau eines Landes ohne Diktatur, die Sicherheitslage eskaliert

Radiobericht: Sicherheitslage in Somalia Das Warten auf Wahlen, die wieder nur indirekt sein werden: Allgemeine Wahlen sind nicht möglich

Die Bevölkerung in Somalia fürchtet, dass Präsident Mohamed Abdullahi Farmajo die für Anfang Februar geplante Wahl absichtlich verhindert. Im Hintergrund baut derweil die in vielen Teilen vertriebene Schaabab-Milz ihren Einfluss weiter aus – aus Angst wollen manche selbst zu den Waffen greifen.

„Zu den Waffen zu greifen, ist nicht unsere erste Wahl, schließlich haben wir 30 Jahre lang unter einem Bürgerkrieg gelitten. Wir haben alle viele Jahre unseres Lebens mit diesem Krieg vergeudet. Ich möchte verhindern, dass auch die nächste Generation ihre Zukunft verliert. Aber eine Diktatur werden wir nicht akzeptieren. Du weißt ja, was in Syrien passiert ist? Flüchtlinge aus Syrien betteln jetzt hier auf unseren Straßen. Oder denke an den Irak, an Libyen oder unseren früheren Diktatur Siad Barre – das alles lehrt, dass wir die nächste Diktatur von Beginn an bekämpfen müssen. Wenn wir das versäumen, wird die junge Generation darunter leiden.“

Laut den Vereinten Nationen steht Somalia seit dem vergangenen Jahr unter einem „dreifachen Schock“: Überflutungen und Dürren infolge des Klimawandels, der Heuschreckenplage und der Corona-Pandemie.

Binnenflüchtlinge: vom Land in die Stadt

Ein Vertriebenenlager mitten in Mogadischu. Männer, Frauen und Kinder sitzen zwischen behelfsmäßigen Unterkünften auf dem Boden. Gegen Sonne und Regen haben sie sich Halbkugeln aus gebogenen Ästen geformt und abgedeckt mit allem, was sie finden konnten: Plastikplanen, leere Getreidesäcke, alte Kleidungsstücke. Fast 500.000 Menschen hausen in solchen Lagern zwischen den Ruinen von Mogadischu. Die Binnenflüchtlinge sind im Laufe der Jahre geflohen: vor der Gewalt der Islamisten, vor Dürre und Überschwemmung und Hunger, zuletzt verstärkt durch eine Heuschreckenplage biblischen Ausmaßes. Viele Familien sind erst kürzlich aus dem Umland der Hauptstadt nach Mogadischu gekommen. Eine junge Mutter berichtet der BBC, was sie vor wenigen Wochen in die Flucht trieb: „Die Clans bekämpfen einander, und außerdem führt die Regierung Krieg gegen Al Shabaab. Wir konnten da nicht mehr leben, unsere Felder nicht mehr bestellen. Niemand unterstützt uns dort. Die Situation wurde so schwierig, dass ich geflohen bin.“

Warlord und Verteidigungsminister

Nun verschärft auch noch die anstehende Wahl die politischen Spannungen. So sieht es auch der 63-jährige General mit dem Spitznamen Inda’Adde, „der Einäugige“. Er war schon Warlord und Verteidigungsminister und hat in seinem langen Leben an den Waffen schon oft die Seiten gewechselt. Angesichts der Wahlblockade warnt er:

Sicherheitslage in Somalia - Das Warten auf Wahlen (deutschlandfunk.de)

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