China, Russland, Indien retten weltweit Menschenleben, während im Westen Impfnationalismus dominiert

Aktualisiert: März 6

China, Russland und Indien springen also ein, wo der Westen nur an sich selber denkt. Bis Covax, die Impfinitiative der WHO, die auch ärmeren Ländern Zugang zu Vakzinen verschaffen will, richtig in Fahrt kommt, haben die drei Länder freie Bahn.

Mit ihren begehrten Lieferungen retten China, Russland und Indien Leben. Gleichzeitig versuchen sie damit, ihr globales Ansehen zu steigern. Da stellt sich die Frage, welche Strategien Peking, Moskau und Delhi genau verfolgen. Und: Werden sie ihre Vorreiterrolle halten können, wenn Covax einmal seine volle Kraft entfaltet?

Insgesamt hat China Vakzine in knapp 40 Länder geliefert, Russland in über 14, wie Daten der Analysefirma Airfinity zeigen. Mehr als 35 Länder haben nach Angaben des indischen Aussenministeriums Impfungen aus Indien erhalten. Die Empfängerländer verteilen sich über weite Teile der Welt. Besonders Südamerika und der Mittlere Osten, aber auch Teile Osteuropas stechen hervor. Auch Österreich führe Gespräche über Impfstoffe aus Russland und China, bestätigte der Kanzler Sebastian Kurz am Freitag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Noch empfangen meist Schwellenländer mit geringem und mittlerem Einkommen Impfstoffe aus China, Russland und Indien. Diese sind im Verteilkampf um die Vakzine der westlichen Hersteller praktisch leer ausgegangen. Denn die Vereinigten Staaten, die EU und andere reiche Länder haben die ersten Lieferungen für ihre eigenen Bevölkerungen aufgekauft. Manche haben gar viel mehr bestellt, als sie eigentlich brauchen.

Ende Februar verliessen die ersten Kisten mit dem Covax-Kleber das Serum Institute in Richtung Afrika. Ghana erhielt 600 000 Dosen, Côte d’Ivoire 504 000 Dosen. Auch China ist Covax beigetreten, wartet aber noch auf eine Zulassung seiner Vakzine durch die WHO. Eine Entscheidung wird für März erwartet.

Obwohl bereits im April 2020 beschlossen, stockte Covax zunächst, kämpfte mit Finanzierungslücken und Lieferschwierigkeiten. Nun hat die Initiative Fahrt aufgenommen: Nigeria, Angola, Rwanda, Kenya, der Sudan und Kambodscha erhielten Anfang März Impfstoffdosen. Es sind Länder, die bisher selbst von China, Russland oder Indien vernachlässigt wurden.

Waren es Ende Februar erst vier Länder, die Impfstoffe durch das Covax-Programm beziehen konnten, sind es am Freitag nach Angaben der Impfallianz Gavi bereits 19. Und Covax entfaltet immer mehr seine Wirkung: Bereits im April dürfte das multilaterale Programm China bei den Lieferungen überholen, wie Berechnungen von Airfinity prognostizieren. Damit wird Covax zur wichtigsten Versorgungsquelle von Schwellenländern. China, Russland und Indien wird es schwerer fallen, den Ruhm für sich allein zu beanspruchen.

Corona-Impfung: China, Russland und Indien beliefern die Welt (nzz.ch)


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