Boden der Gewalt: Sahel, rohstoffreiche, ärmste, vom Klimawandel extrem betroffene Region der Welt

Aktualisiert: Feb 6

Immense Herausforderungen im Sahel


Westafrikas Sahelzone steht vor so vielen Herausforderungen wie kaum eine andere Region der Welt. Neben Dürren, Wetterkapriolen und Bevölkerungswachstum sorgen zunehmend Terrorgruppen für Unsicherheit. Die Widerstandsfähigkeit der Region steht auf der Kippe.

In die Kleinstadt Barsalogho, die gut drei Autostunden von Ouagadougou entfernt liegt, führt eine holprige Steinpiste, die den Geländewagen immer wieder heftig ruckeln lässt. Wer nicht vorsichtig fährt, läuft Gefahr, mit dem Auto aufzusetzen. Rechts und links der Strecke stehen dornige Sträucher – ab und zu ein paar Bäume. In Barsalogho, das zur Region Centre-Nord in Burkina Faso gehört, gibt es eine Krankenstation, eine Schule, ein paar Läden, die die Grundversorgung sichern. Im Januar ist ausgerechnet hier ein Camp für Binnenflüchtlinge entstanden. Nach einem Massaker in ihrem Heimatort Yirgou, bei dem verschiedenen Angaben zufolge zwischen 49 und mehr als 210 Menschen ums Leben gekommen sind, fühlten sich die Überlebenden anderswo nicht mehr sicher. Jetzt sollen hohe Zäune für Schutz sorgen.



Vom Senegal bis in den Sudan

Der tägliche Betrieb ist verbunden mit logistischen Herausforderungen. Sogar das Wasser muss aus einem 25 Kilometer entfernten Dorf in Tanklastern transportiert werden, nachdem vier Bohrungen für einen möglichen Brunnen fehlschlugen. An den Anbau von Getreide und Gemüse ist unter diesen Bedingungen nicht zu denken. Ohnehin ist der harte Boden ausgemergelt und von Rissen durchzogen. In der Sonne ist es fast unerträglich heiss. Die Perspektiven für die Bevölkerung – gleich, ob Vertriebene oder Alteingesessene, Viehhalter oder Farmer – sind deshalb begrenzt. Barsalogho spiegelt auf wenigen Quadratkilometern, mit welchen Herausforderungen die Sahelzone, die sich vom Senegal im Westen über neun Länder bis in den Sudan erstreckt, heute zu kämpfen hat.

Überall zu spüren ist der Klimawandel. Bauern haben zwar in ihren Muttersprachen nicht immer ein Wort dafür, können aber genau beschreiben, wie sich Regenzeiten verschieben und Wassermengen verändern. In manchen Gegenden hat es so wenig geregnet, dass im steinharten Ackerboden das Saatgut nicht mehr ausgesät werden kann. Das treibt die Lebensmittelpreise in die Höhe. Ohnehin sind Ackerflächen ein kostbares Gut geworden. Die Vereinten Nationen schätzen, dass weltweit durch Dürre und Wüstenbildung jährlich zwölf Millionen Hektar eingebüsst werden. Bewässerungssysteme, vor allem für den Anbau von Gemüse, sind kostspielig und können von Dörfern nicht ohne externe Unterstützung errichtet werden. Im November 2018 zog Ibrahim Thiaw, der heute Exekutivsekretär des UN-Übereinkommens zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) ist, ein ernüchterndes Fazit: «Die Region ist eine der anfälligsten für den Klimawandel.»


Unterentwickeltste Region der Welt

Doch nicht nur das: Sie ist auch die ärmste und am wenigsten entwickelte der Welt. Schlusslicht des UN-Entwicklungsindexes ist in den vergangenen Jahren meist der Niger (189) geworden, wo das durchschnittliche Jahreseinkommen nach Angaben der Weltbank bei lediglich 411 US-Dollar liegt. Hoch ist nur die Geburtenrate: Jede Frau bringt im Durchschnitt 7,2 Kinder auf die Welt. Die Zahl hat in den vergangenen Jahren kaum abgenommen. Das wird nach Einschätzung der US-amerikanischen Organisation Population Reference Bureau (PRB) dazu führen, dass sich die Bevölkerung von heute 22,4 Millionen bis zum Jahr 2050 fast verdreifachen wird. Vor allem nichtstaatliche Organisationen versuchen, Familienplanung populär zu machen, doch bis heute nutzen nur 16,2 Prozent der Frauen moderne Verhütungsmittel, die vor allem in Dörfern kaum zu beschaffen sind. Auch wettern religiöse und traditionelle Meinungsführer dagegen. Dabei wird ignoriert, dass die Infrastruktur nicht mitwächst. In ländlichen Regionen gab es nie eine ausreichende Gesundheitsversorgung. Es mangelt an Schulen und in Ballungsgebieten an bezahlbarem Wohnraum, was auch an dem Zuzug aus ländlichen Gegenden liegt. Der Kampf um Flächen, die sich für die Landwirtschaft oder Viehhaltung eignen, wird weiter steigen. Gerade bei den Jungen – im Niger sind mehr als 68 Prozent der Einwohner jünger als 25 Jahre – fördert das Perspektivlosigkeit und Frustration.


Senegal Hauptstadt: Daka Bevölkerung: 16 Millionen BIP-Wachstum p/Jahr: 7,2 % Lebenserwartung: 67 Jahre

Mauretanien Hauptstadt: Nouackchott Bevölkerung: 4,2 Millionen BIP-Wachstum p/Jahr: 3,2 % Lebenserwartung: 63 Jahre

Mali Hauptstadt Bamako Bevölkerung: 19,1 Millionen BIP-Wachstum p/Jahr: 4,9 % Lebenserwartung: 58 Jahre

Burkina Faso Hauptstadt: Ouagadougou Bevölkerung: 19,8 Millionen BIP-Wachstum p/Jahr: 6,5 % Lebenserwartung: 61 Jahre

Niger Hauptstadt: Niamey Bevölkerung: 22,4 Millionen BIP-Wachstum p/Jahr: 5,2 % Lebenserwartung: 60 Jahre

Nigeria Hauptstadt: Abuja Bevölkerung: 191 Millionen BIP-Wachstum p/Jahr: 1,9 % Lebenserwartung: 53 Jahre

Tschad Hauptstadt: N‘Djamena Bevölkerung: 15,5 Millionen BIP-Wachstum p/Jahr: 2,6 % Lebenserwartung: 57 Jahre

Sudan Hauptstadt: Khartum Bevölkerung: 43 Millionen BIP-Wachstum p/Jahr: 3,1 % Lebenserwartung: 64 Jahre

Äthiopien Hauptstadt: Addis Abeba Bevölkerung: 106 Millionen BIP-Wachstum p/Jahr: 10,2 % Lebenserwartung: 64 Jahre

Eritrea Hauptstadt: Asmara Bevölkerung: 5,1 Millionen BIP-Wachstum p/Jahr: 5,0 % Lebenserwartung: 64 Jahre

Dossier: Sahel - Eine Welt (eine-welt.ch)


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