AscherslebenTaktgefühl statt Intoleranz: Ursula Görner, Sekretärin der Schule, ist begeistert von de


AscherslebenTaktgefühl statt Intoleranz

VON WENCKE-MARIE BUSCH, 07.05.12, 18:45h, aktualisiert 07.05.12, 19:04h


Antilopentanz

Zum Afrika-Projekt gehörte auch der Antilopentanz. (FOTO: GEHRMANN)


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ASCHERSLEBEN/MZ. Weiße sind “rosaeierschalenfarben” und Schwarze sind braun. So erklärt ein Mitglied der Band “Black and White” den Kindern der Grundschule Pfeilergraben den Unterschied zwischen verschiedenfarbigen Menschen. “Toleranz wird an unserer Schule großgeschrieben”, sagt Schulleiterin und Musiklehrerin Simone Brandt. “Mit unserem Projekt wollen wir Spaß haben, aber auch ein Zeichen gegen rechte Gewalt setzen.”


Spaß beim Tanzen.

Spaß beim Tanzen. (FOTO: GEHRMANN)


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Und so wird der Unterrichtstag einmal nicht von Mathe und Deutsch bestimmt, sondern mit einem Konzert der Band begonnen. Die Kinder lassen sich nicht lange bitten und singen kräftig mit. “Black and White”, das sind zwei Frauen und drei Männer von der Elfenbeinküste, aus dem Kongo und aus Deutschland. Die Kinder klatschen und tanzen vergnügt zum rhythmischen Trommeln der afrikanischen Musik. In den Pausen zwischen den Liedern berichtet der Koordinator und Moderator der Band, Wolfgang Lieberknecht, auf kindgerechte Weise über das Leid in Afrika. Er spricht über die Hungersnot der afrikanischen Familien und darüber, wie der Kontinent ausgebeutet wird.


Dennoch bleibt das Afrika-Projekt für die Kinder ein Freudenfest. Wo immer man hinsieht, leuchten Farben: bei den Schülern, die sich dem Afrika-Motto entsprechend verkleidet haben, bei der Band und sogar bei den Lehrern. Die Mitglieder der Gruppe tragen bunte Gewänder und selbst der einzige Deutsche der Gruppe, Wolfgang Lieberknecht, hebt sich mit seinem afrikanischen Outfit kaum von den Bandkollegen ab. “Die Kinder haben sich vorbereitet und sich Gedanken darüber gemacht, was sie anziehen werden”, sagt Simone Brandt. Doch nicht nur das: Im Schulhaus hängen bemalte und sorgfältig ausgeschnittene Zebras, Löwen und andere exotische Papiertiere.


Nachdem das Auftaktkonzert im Konzertgarten der musikbegeisterten Grundschule beendet ist, teilen sich die Schüler in vier Gruppen. In der Aula der Grundschule werden sie von einem afrikanischen Bandspieler im Trommeln geschult. Die Kinder bilden einen Kreis und klopfen anfangs noch wild und unkontrolliert auf das Schlagfell der Instrumente. Doch schon bald schlagen die Schüler alle gleichzeitig und in verschiedenen Rhythmen auf die Trommeln ein. “So viele Kinder muss man erst mal im Griff haben”, staunt Simone Brandt über den Leiter des Kurses.


Wolfgang Lieberknecht klärt in einem anderen Raum über die Probleme der Afrikaner in ihren Ländern auf. Die Kinder stellen viele Fragen. “Aufklärung ist sehr wichtig”, so die Schulleiterin. “Wenn man keine Ahnung von etwas hat, ist man sehr distanziert.” Deshalb werden die Kleinen frühzeitig mit Behinderungen oder fremden Kulturen konfrontiert.


Simone Brandt genießt es seit sieben Jahren, Schulleiterin der Grundschule Pfeilergraben zu sein. “Ich kann in dieser Position meine Vorstellungen umsetzen”, sagt sie. “Vor allem, weil ich ein wahnsinnig gutes Team habe.” Ihr ist es wichtig, Akzeptanz gegenüber Ausländern, Behinderten und auch Tieren zu zeigen. Dafür besitzt die Grundschule einen eigenen Tiergarten, in dem Meerschweinchen, Kaninchen, zwei Enten und die zahmen Hähne “Chip” und “Chap” leben. Die behinderten Schüler der Kastanienschule besuchen sie oft, wie auch am Projekttag zum gemeinsamen Singen und Tanzen, begleitet von der afrikanischen Musik. “Wenn du sprechen kannst, kannst du singen. Wenn du gehen kannst, kannst du tanzen”, heißt es in einem westafrikanischen Sprichwort. Und diesem machen die Kinder alle Ehre.


Zum Abschluss des Schulprojekts erklingen erneut die kräftigen Stimmen der Bandmitglieder von “Black an White”, begleitet von rhythmischen Trommelschlägen und schellendem Tamburin. Ursula Görner, Sekretärin der Schule, ist begeistert von dem Projekt: “Wenn auch nur ein Bruchteil bei den Kindern hängen bleibt, haben wir viel erreicht.”

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