Afrikanische Lebensfreude, persönliche Begegnung mit Menschen anderer Hautfarbe und Informationen au

Aufklärung

Infoabend im Brückenauer Gymnasium wirbt für Verständnis für Ursachen von Flucht

Ein Informationsabend am Franz-Miltenberger-Gymnasium bringt Schülern und Eltern die komplizierte Lage auf dem afrikanischen Kontinent näher. Musik und Trommeln als Mittel der Verständigung.


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Der Arbeitskreis "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" des Franz-Miltenberger-Gymnasiums in Bad Brückenau veranstaltete in der voll besetzten Aula im Römershager Schulzentrum einen öffentlichen Informationsabend mit dem Thema "Fluchtursachen statt Flüchtlinge bekämpfen". Foto: Sebastian Schmitt
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Der Arbeitskreis "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" des Franz-Miltenberger-Gymnasiums in Bad Brückenau veranstaltete in der voll besetzten Aula im Römershager Schulzentrum einen öffentlichen Informationsabend mit dem Thema "Fluchtursachen statt Flüchtlinge bekämpfen". Foto: Sebastian Schmitt

Der Arbeitskreis „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ des Franz-Miltenberger-Gymnasiums in Bad Brückenau veranstaltete in der voll besetzten Aula im Römershager Schulzentrum einen öffentlichen Informationsabend mit dem Thema „Fluchtursachen statt Flüchtlinge bekämpfen“. Foto: Sebastian Schmitt

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Der Arbeitskreis „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ des Franz-Miltenberger-Gymnasiums in Bad Brückenau hat in der voll besetzten Aula im Römershager Schulzentrum einen öffentlichen Informationsabend mit dem Thema „Fluchtursachen statt Flüchtlinge bekämpfen“ veranstaltet.

Schüler Felix Opitz aus der 12. Klasse stellte zunächst den Arbeitskreis näher vor. „Aktiv etwas gegen Diskriminierung und Rassismus tun“ möchten die Mitglieder des Arbeitskreises, erläuterte Opitz. Eingeladen hatte man dazu die Gruppe „Black and White“, die musikalisch und schwungvoll den Informationsabend mit afrikanischen Rhythmen einläutete. Wolfgang Lieberknecht beschrieb die langfristigen Ziele des Projektes und Vereins „Black and White“, bei dem sich auch seine Frau Eunice, eine Lehrerin aus Ghana, aktiv mit einbringt. Beitragen zur afrikanisch-europäischen Verständigung im Sinne der Charta der Vereinten Nationen möchte der Verein. „Wir stimmen vor allem mit der Idee überein, alle Konflikte nur mit friedlichen Mitteln zu lösen und weltweit so zusammenzuarbeiten, dass alle Menschen menschenwürdig leben können“, erläuterte Lieberknecht.

Achtung und Respekt schaffen

Vereinssitz von „Black and White“ ist das nordhessische Wanfried. „Nach den Angriffen auf Flüchtlinge und Migranten in Rostock, Mölln, Solingen und Hoyerswerda Anfang der 1990er Jahre wollten einige Einheimische und Flüchtlinge selbst etwas tun, um Fremdenfeindlichkeit und Fremdenhass etwas entgegenzusetzen. Wir setzten auf ein Konzept, das durch die persönliche Begegnung mit Menschen aus anderen Ländern und mit anderer Hautfarbe Ängste überwinden hilft.“ Mit Musik, Tanz und Trommeln will „Black and White“ Gemeinschaft schaffen, Lebensfreude weitergeben und so auch Achtung und Respekt schaffen. Zudem unterrichtet der Verein über Fluchtgründe und gibt die Botschaft weiter, dass es unmenschlich ist, die Grenzen zu schließen, wenn die zahlreichen und ganz unterschiedlichen Fluchtursachen fortbestehen. „Heute haben wir Kontakt in einige afrikanische Länder, fördern Projekte und versuchen dazu beizutragen, noch mehr Menschen in Kontakt zu bringen, mehr übereinander zu wissen und auch zu diskutieren, wie wir für eine zukunftsfähige Welt zusammenarbeiten können.“ Ganz konkret berichtete Lieberknecht über die existenziellen Sorgen in Afrika. „Jeden Tag machen sich rund 28.000 Menschen auf den Weg, um aus Krisengebieten, aus Kriegsgebieten und vor Not und Armut zu entkommen. Fluchtursachen sind hoch kompliziert.“

Lebensgrundlagen und Perspektiven fehlen

Rund 110 Euro Monatseinkommen bekomme ein arbeitender Mensch in Ghana. Für viele Arbeitslose fehlen jegliche Lebensgrundlagen und Perspektiven, so Lieberknecht. Aufgrund des Klimawandels würden immer mehr Flüsse komplett austrocknen. Riesige Flüchtlingslager mitten in Afrika entstehen, ohne dass sich Europa dafür interessiert. Für viele Menschen sind diese gigantischen Lager in der Wüste bereits Endstation. „Die meisten schaffen es gar nicht, aus den Krisenherden zu entkommen.“

Dr. Emmanuel Ametepeh aus Ghana, der unter anderem in Regensburg studiert hat, beschrieb ausführlich, wie sehr Afrika unter der Klima-Veränderung leidet, denn die Grundlage für Landwirtschaft werde auf diese Weise zerstört. Rund 1,3 Milliarden Menschen leben derzeit in Afrika, so Ametepeh. „Diese Zahl wird sich verdoppeln auf 2,6 Milliarden. Bis zum Jahr 2050. Was wird dann geschehen im Jahr 2050? Wir müssen langfristig denken und den Menschen vor Ort helfen.“ Ametepeh beschrieb den intensiven Kakao-Anbau in Ghana, der zwar die europäisch-westliche Schokoladen-Industrie am Laufen hält, aber den Bauern vor Ort zu wenig einbringt. Wie in der Elfenbeinküste, so kommt Kakao aus Westafrika hauptsächlich nach Europa. Die verarbeitende Industrie siedelt sich aber nie in Afrika an. Ähnliches gilt für Tabak, Kautschuk, Kaffee und Goldvorkommen in der Region. Die natürlichen Ressourcen würden zu Korruption führen und nur eine kleine mächtige Elite des Landes reich machen. Den Landwirten selbst bleibe am allerwenigsten übrig. Und so bemühe sich Ghana darum, die vielfältigen Naturattraktionen und Wildtiere für touristische Aspekte zu Nutzen. Noch sei der Tourismus nicht weit genug entwickelt und ausgeprägt in Ghana, wo sich auch die kulturellen Aspekte der Bevölkerungsgruppen als Attraktion nutzen ließe.

Aktive Bildungsarbeit

„Durch Bildung die Fluchtursachen bekämpfen“, sei der richtige Weg, sagte Ametepeh. Langfristig könne man nur mit aktiver Bildungsarbeit wichtige Impulse geben. Auch der Kampf gegen Analphabetismus spiele dabei eine ganz entscheidende Rolle. Seit über zwölf Jahren gestaltet die Gruppe „Black and White“ Schulprojekttage, Workshops und Informationsabende. „Die aktuellen Entwicklungen erfordern mehr Verständnis für Menschen in und aus anderen Regionen und auch für die Zusammenhänge zwischen uns und den Menschen in anderen Ländern“, ist Wolfgang Lieberknecht überzeugt. „Viele Schüler wissen über Afrika noch zu wenig.“ Mehr Vertrauen zwischen Menschen verschiedener Kulturen und Hautfarben und die Einigung auf gemeinsame Werte, wie das Menschenrecht auf Leben, seien notwendig. Vermittelt wird den Schülern das eher spielerisch: In Trommel-, Tanz- und Singworkshops. Aber auch anhand von Präsentationen. Afrikanische Lebensfreude, persönliche Begegnung mit Menschen anderer Hautfarbe und Informationen aus dem Blickwinkel von Menschenrechten und Menschenwürde – das alles kombiniert der Projekttag am Franz-Miltenberger-Gymnasium, zu dem der Informationsabend der passende Auftakt war. Finanziell unterstützt wird der Projekttag unter anderem durch den Schulverein und die Eine-Welt-Gruppe.

https://www.infranken.de/regional/bad-kissingen/bad-brueckenau/infoabend-im-brueckenauer-gymnasium-wirbt-fuer-verstaendnis-fuer-ursachen-von-flucht;art14323,4068915

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