1945 wurde Krieg verboten, doch schon bis 1997 wurden in Afrika 52 Kriege geführt

Aktualisiert: Feb 6

In Afrika südlich der Sahara wurden von 1945-1997 insgesamt 52 Kriege geführt, davon nur 4 vor 1960. Bis zu diesem Jahr standen fast alle der heutigen Staaten unter europäischer Kolonialherrschaft, sind also im Vergleich zu denen aller anderen Weltregionen relativ jung. Dabei wurden bei der Entlassung in die Unabhängigkeit in aller Regel koloniale Grenzziehungen übernommen und vorkoloniale, geografische oder ethnische Zugehörigkeiten blieben bei den jeweiligen Staatsgründungen unberücksichtigt. Gab es in Afrika südlich der Sahara vor 1960 nur wenige Kriege, so ist es in der Folgezeit im Wechsel mit Asien die Weltregion, in der jährlich die meisten Kriege geführt wurden. Grob lässt sich der afrikanische Kontinent in fünf Subregionen unterteilen: Westafrika, Zentralafrika, Ostafrika und südliches Afrika. Nordafrika wird zum Vorderen und Mittleren Orient gerechnet.

Im Vergleich der Weltregionen weist Afrika nur eine geringe Anzahl zwischenstaatlicher Kriege auf. Diese Beobachtung verliert auch dann nicht ihre Gültigkeit, wenn man die komplexen Kriege mit in Betracht zieht, die sowohl innerstaatlich wie zwischenstaatlich geführt wurden. Mit etwa 20 Prozent ist auch der Anteil an Kriegen, die eine Sezession oder größere Autonomie zum Gegenstand hatten, vergleichsweise gering. Diese beiden statistischen Ergebnisse sind umso auffälliger, wenn man die häufig als künstlich und von daher als konfliktträchtig angesehenen Grenzziehungen in Betracht zieht. Auf den ersten Blick ebenfalls erstaunlich Afrika ist die geringe Zahl von 6 Kriegen, die für eine Dekolonisation begonnen wurden. Hiervon entfallen wiederum die Hälfte auf die erst in den 1960er Jahren in den portugiesischen Kolonien begonnenen Kriege. Dagegen bilden Antiregime-Kriege, die den Sturz der Regierung zum Ziel haben, mit etwa 40 Prozent zahlenmäßig den bedeutendsten Kriegstyp. Mit rund einem Drittel gibt es aber auch einen relativ hohen Anteil an Mischtypen. Besonders lange dauerten die Kriege in Äthiopien (um die Unabhängigkeit Eritreas und in der Folge auch anderer Landesteile), in Angola, Mosambik und Namibia, im Süden des Sudan und im Tschad. Insbesondere das Kriegsgeschehen in Angola macht die Veränderung oder die unterschiedliche Interpretation von Konflikthintergründen deutlich: Begann der Krieg 1961 als Kampf gegen die portugiesische Kolonialherrschaft, so wurde er nach der Erlangung der Unabhängigkeit 1975 im Rahmen des Ost-West-Konflikts interpretiert, um in den 1990er Jahren zum typischen Krieg um Rohstoffe (Diamanten, Erdöl) zu werden. Dabei blieben die Hauptakteure im Wesentlichen gleich. Im Folgenden wird eine kurze Übersicht über die bedeutendsten Kriege in Afrika südlich der Sahara gegeben: Nur in sieben der 54 Staaten erlebten die Menschen keinen Krieg.


Afrika : Internationale Beziehungen : Universität Hamburg (uni-hamburg.de)



Länderberichte zu Krieg und Gewalt in Afrika

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Globale Entwicklungstrends seit 1945 - bis 2007 in diesem Bericht erfasst

Die Hamburger Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) zählt 238 Kriege in der Zeit von 1945 bis 2007. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und bis Ende 1992 ist eine fast stetige Zunahme der weltweiten Kriegsbelastung von etwa einem laufenden Krieg pro Jahr zu beobachten. Bestimmte historische Ereignisse oder Perioden wie zum Beispiel der Ost-West-Konflikt und die Dekolonisation übten nicht den ihnen oft unterstellten Einfluss auf diesen Trend aus. Anscheinend wirken sich hier längerfristige und tiefergehende Prozesse aus. Kriegsschauplätze / Akteure

Bei einer näheren Betrachtung der Kriege fällt zunächst auf, dass die Zentren der bürgerlich-kapitalistischen Welt weitgehend frei von Kriegen sind. Über 90 Prozent der Kriege nach 1945 fanden in Regionen der Dritten und ehemaligen Zweiten Welt statt, kriegerische Auseinandersetzungen verlagerten sich also fast vollständig in die Peripherien. Von den 238 Kriegen fanden statt: in Asien 68, in Afrika südlich der Sahara 64, im Vorderen und Mittleren Orient 60, in Süd- und Mittelamerika 30 und in Europa 16. In Nordamerika fand überhaupt kein Krieg statt. Allerdings steht der Befriedung innerhalb der industriegesellschaftlichen Welt nach 1945 ein relativ hohes Maß an kriegerischem Eingreifen einiger Industriestaaten in der Dritten Welt gegenüber. Bei der Häufigkeit der Kriegsbeteiligungen liegen Großbritannien (22 Beteiligungen), die USA (16) und Frankreich (14) (neben Indien (19), Irak (11) und Jemen (11)) in der Spitzengruppe. Die nähere Betrachtung zeigt jedoch, dass hierbei spezifische historische Umstände wie die Stellung als (ehemalige) Kolonialmächte oder der Versuch der USA, ihren Hegemonieanspruch militärisch durchzusetzen, eine Rolle spielten. Zu Anfang der 1990er Jahre deuteten Interventionen der UNO bzw. im Auftrag oder zumindest mit ausdrücklicher Billigung des UN-Sicherheitsrates "weltpolizeiliche" Lösungen an. Diese Tendenz ist jedoch nicht sicher. Überdies haben sich die wenigen UN-gestützten Interventionen als nicht sonderlich erfolgreich erwiesen, insbesondere wenn man eine politische Lösung als Maßstab anlegt. Die Bilanz der Interventionen von Einzelstaaten oder Staatengruppen ohne UN-Autorisierung sieht nicht besser aus. Auch diese scheiterten überwiegend entweder bereits militärisch, oder es konnte keine politische Lösung erzielt werden. Insgesamt ist zu beobachten, dass die Beteiligung Dritter an innerstaatlichen Kriegen seit den 1980er Jahren merklich zurückging. Dies lässt sich wohl auf die Erfahrung zurückführen, dass parteiisches Mitkämpfen in Kriegen anderer sich nicht "auszahlt". Innerstaatliche Kriege

Zwei Drittel aller Kriege seit 1945 sind innerstaatliche Kriege gewesen und nur ein knappes Viertel internationale Kriege, einschließlich der Dekolonisationskriege. Das fast stetige Wachstum der jährlichen Kriegsbelastung nach dem Zweiten Weltkrieg resultiert eindeutig aus der Zunahme der innerstaatlichen Kriege. Dass das Kriegsgeschehen nach dem Zweiten Weltkrieg von diesen dominiert wird, stellt eine qualitative historische Veränderung gegenüber früheren Perioden dar. Bei den Kriegstypen sticht der hohe Anteil der "Antiregimekriege" hervor. Dieses sind Kriege, in denen um den Sturz der Regierenden oder um die Veränderung oder den Erhalt des politischen Systems oder gar der Gesellschaftsordnung gekämpft wird. Diese machen fast die Hälfte aller innerstaatlichen Kriege aus, so dass der Kampf um Gesellschaftsform und Macht im Staate das Kriegsgeschehen seit 1945 am stärksten bestimmte. Vielen Machthabern in Ländern der Dritten Welt fehlt die Legitimität. Prinzipien, Regeln und institutionelle Formen, nach denen Systemwandel und Machtzuteilung bzw. Machtwechsel gewaltlos erfolgen kann, sind nicht vorhanden. Der gesellschaftliche Grundkonsens fehlt. Auch die zweite große Gruppe der innerstaatlichen Kriege, in denen eine der beiden Kriegsparteien um größere oder völlige Unabhängigkeit von der Zentralregierung kämpft, ist ein Hinweis auf eine nur mangelhaft erfolgte gesellschaftliche Integration. Ein erheblicher Teil der innerstaatlichen Kriege resultiert aus noch nicht erfolgter oder gescheiterter gesellschaftlicher Integration in einem häufig nur formal vorhandenen Staat. Dieses Scheitern wiederum ist Folge wirtschaftlicher Strukturschwächen, krasser Ungleichheiten in der Einkommensverteilung und der willkürlichen politischen Privilegierung bestimmter Gruppen. Kriegsbeendigungen

Bei der Untersuchung, wie und mit welchen Ergebnissen Kriege enden, stellt sich heraus, dass nur ein knappes Fünftel aller Kriege durch einen militärischen Sieg der angreifenden Seite entschieden wurde. Wesentlich öfter - bei einem knappen Drittel der Kriege - behauptet sich die militärisch angegriffene Seite. In einem Zehntel der Fälle endeten Kriege einfach durch einen Abbruch der Kämpfe, und nur geringfügig häufiger stand am Ende eine Vereinbarung, sei es durch einen Waffenstillstand oder durch einen Kompromiss. Mit etwa einem Drittel ist der Anteil der Kriegsbeendigung durch Vermittlung von dritter Seite überraschend hoch. Die Vermittlung durch Dritte ist offenbar zur Institution der Weltgesellschaft geworden. Auch wenn keine Daten zur Anzahl gescheiterter Vermittlungsbemühungen vorliegen, lässt sich feststellen, dass Vermittlungen weit häufiger zur Kriegsbeendigung beitragen als es gemeinhin den Anschein hat. In den erfolgreichen Fällen agierten in beachtlichen 40 Prozent die Vereinten Nationen als Vermittler. Auch wenn dies nur 12 Prozent der Gesamtzahl der beendeten Kriege sind, so ist die UNO offensichtlich besser als ihr Ruf. Bemerkenswert ist auch, dass über zwei Drittel der zwischenstaatlichen Kriege im politischen Ergebnis unentschieden endeten bzw. der Status quo ante erhalten blieb oder wiederhergestellt wurde. Bei keinem Typ der innerstaatlichen Kriege hat die angreifende Seite eine deutliche Erfolgschance. Quantitative Entwicklung des Kriegsgeschehens

Die 1990er Jahre waren zu Beginn durch einen starken Anstieg der Zahl der Kriege gekennzeichnet. Hier haben vor allem die Kriege im Gefolge der Auflösung der Sowjetunion und Jugoslawiens ihren Niederschlag gefunden. Seit 1992 lässt sich aber eine stark gegenläufige Tendenz feststellen. So sank die Zahl der Kriege von 55 im Jahr 1992, dem höchsten Stand seit Ende des Zweiten Weltkriegs überhaupt, bis 1997 auf etwa die Hälfte. Seither bewegte sich die Zahl der jährlich geführten Kriege um die 30. Die Erklärungen für dieses Phänomen sind derzeit noch unzureichend. Zwar gab es auch in früheren Perioden kurzfristige Rückgänge, allerdings bislang keine, die so ausgeprägt waren wie in den letzten Jahren. Die Zahl der pro Jahr neu begonnenen Kriege weist keine Besonderheiten gegenüber der Zeit vor 1992 auf. Auffallend ist dagegen das Aufeinanderfolgen von mehreren Jahren mit hohen Zahlen von beendeten Kriegen. Die betreffenden Kriege lassen allerdings, was die Art ihrer Beendigung angeht, keine einheitliche Erklärung zu. Weder Vermittlungen Dritter noch militärische Erfolge oder ein Abbruch der Kämpfe stechen besonders hervor. Eine Differenzierung nach Regionen lässt zwar durchaus gewisse Unterschiede bei der quantitativen Rückläufigkeit erkennen, diese haben aber insgesamt keinen erklärenden Charakter. Opferzahlen

Allein die 1997 noch andauernden Gewaltkonflikte forderten nach vorsichtigen Schätzungen bisher mehr als 6,7 Millionen Todesopfer und noch mehr Verwundete. Dabei lässt sich feststellen, dass der Anteil der getöteten Zivilpersonen im Verhältnis zu den gefallenen Soldaten immer mehr angewachsen ist. Beim Einsatz vieler Waffen, wie z.B. Landminen, kann nicht mehr zwischen Militär und Zivilisten unterschieden werden. Zudem zielen manche Strategien gerade auf die Zivilbevölkerung ab, um die Kampfmoral der Gegner zu schwächen. Zu den Opfern von Gewaltkonflikten sind auch ein Großteil der Mitte der 90er Jahre weltweit über 18 Millionen Flüchtlinge und 24 Millionen, die als Vertriebene im eigenen Land leben, zu zählen. Kriegearchiv : Internationale Beziehungen : Universität Hamburg (uni-hamburg.de)


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